Westfalen-Blatt 08.07.2026

Letzter Teil der Serie zum 25-jährigen Jubiläum

Gymnasium zeigt ein starkes Profil

Vielfalt ist angesagt – nicht nur bei den Profilen der Schule, sondern überhaupt im Schulleben, damit alle Schülerinnen und Schüler ihre Stärken entwickeln können. Foto: Steinhagener Gymnasium

von Annemarie Bluhm-Weinhold

STEINHAGEN (WB). Sie haben tolle Chöre und Bands, die Musicals und Shows sind legendär. Sie werden aber auch bei „Jugend forscht“ regelmäßig ausgezeichnet und bekommen hochdotierte Preise, selbst vom Bundespräsidenten. Sie stehen beim Sport regelmäßig auf dem Treppchen, zuletzt beim Tanzen. Und sie reisen durch halb Europa, weil sie auch sprachlich sehr begabt sind. Das Steinhagener Gymnasium zeigt Profil – und das seit 25 Jahren.

MINT (also Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), Sport, Musik sowie Sprachen und Europaprofil – das sind die Schwerpunkte des Steinhagener Gymnasiums, in denen die Schülerinnen und Schüler ihre Talente einbringen und Fähigkeiten ausbauen können. Um die Profile, und was sie für die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte, aber auch den Ruf der Schule bedeuten, soll es in dieser letzten Folge der WESTFALEN-BLATT-Artikelreihe zum 25-jährigen Jubiläum der Schule gehen.

Im Europaprofil beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler auf gesellschaftswissenschaftlicher Ebene mit Europa.

Die Profile sind nicht am Konferenztisch geplant worden – vielmehr sind sie, wie MINT-Koordinator und Physiklehrer Andreas Frerkes schildert „organisch gewachsen“. Es habe sich alles relativ gleichzeitig entwickelt, erinnern sich Andreas Frerkes und Matthias Mohrhoff, Sportlehrer der ersten Stunde an der neuen Steinhagener Schule und heute Seminarausbilder am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung in Detmold.

Als die Schule im Jahr 2001 gegründet wurde, war da nichts – außer einer grünen Wiese, auf der das Gebäude entstehen, die Pavillons, in denen die Schule lebendig werden sollte – und ganz viel Motivation. Denn Schulleiter Josef Scheele-von Alven vertrat den Grundsatz: „Wir unterrichten keine Fächer, sondern Menschen.“ Und er ermunterte sein junges Kollegium: „Machen Sie was!“ Da war also viel Luft und Freiheit.

Viel Freiheit bei der Entwicklung

Stefan Binder, seit 2004 Lehrer am SteinGy, seit 2018 dessen Leiter, erinnert sich an die Dynamik des wachsenden Teams: „Wir wollten alle etwas entwickeln und hatten das zeitliche Potenzial, denn es gab ja in den ersten Jahren keine Abiturprüfungen. Da waren Kräfte frei. Es war der Idealfall von Schule.“

Es ergab sich eins aus dem anderen. Da war zum Beispiel die Spvg., die 2001 die erste Kooperation mit der Schule einging, und nachmittags AGs anbot. Badminton, Fußball, Basketball, Volleyball, Leichtathletik. Als ab 2004 Sporthelfer ausgebildet wurden an der Schule – an der Hauptschule und Realschule im Übrigen auch –, da war, wie sich Matthias Mohrhoff erinnert, wiederum die Spvg. hochinteressiert, weil sie die als Übungsleiter gewinnen konnte. Die Kooperation mit dem Sportverein – allemal geeignet für eine besondere Förderung der Jugendlichen.

Die Kreismusikschule schnell ins Boot geholt

Und so war es auch in der Musik. Die erste stellvertretende Schulleiterin, Christa Wille-Möller, war Musiklehrerin und setzte entsprechend auf musikalische Förderung. Zum Beispiel durch die Musikklasse, die 2002 mit der Streicherklasse startete – ein Vorhaben, für das die Kreismusikschule mit ins Boot geholt wurde. Von Anfang an stehen Konzerte und Musicals auf dem Spielplan des Gymnasiums, zu denen öffentlich eingeladen wird.

Seit 2003 gibt es das Europaprofil, als gesellschaftswissenschaftliches Angebot mit inhaltlichen Schwerpunkten zu Europa und der Möglichkeit zum Austausch. Etwas später entstand der Fremdsprachen- und bilinguale Zweig als eigene Säule. Seit 2009 ist das Steinhagener Gymnasium zertifizierte Europaschule, seit 2021 auch Erasmus-plus-Schule, so dass Fördergelder beantragt werden können für Projekte, wie Lehrerin Martina Dahlmeier erläutert.

Und im naturwissenschaftlichen Bereich war ein früher Erfolg auf Landesebene bei „Jugend forscht“ eine wahre Initialzündung: „Das motiviert. Wir haben dann an zahlreichen Wettbewerben teilgenommen, sind Energiesparmeister geworden, haben den Deutschen Klimapreis gewonnen. Preisgelder wurden immer wieder investiert, zum Beispiel in unsere PV-Anlage“, sagt Andreas Frerkes. Das Steinhagener Gymnasium ist als MINT-Excellenzschule zertifiziert und Schule der Zukunft. Dass das Gymnasium eine gewisse Wettbewerbsstrategie hat, gibt man gerne zu – das findet man hier durchaus gut zur Zielorientierung.

Alles hat sich organisch entwickelt

Auch ein Schulprofil steht und fällt natürlich – so wie überall – mit den Personen: „Es liegt an den Lehrkräften“, sagt Matthias Mohrhoff. „Aber es gibt viele Impulse aus der Schülerschaft und immer wieder Ideen für Projekte wie das Klimajahr oder den Tag der Vielfalt“, so Frerkes.

„Wir haben den Anspruch, für alle Angebote zu machen, so dass sich jeder nach seinen Möglichkeiten bestmöglich entwickeln kann“, sagt Stefan Binder. Das bedeutet: Die unterschiedlichen Säulen dürfen nicht miteinander konkurrieren. Den Schülerinnen und Schülern soll ermöglicht werden, sich vielfältig aufzustellen – also zum Beispiel: nicht nur im BiLi-Zweig arbeiten, sondern auch noch ein Instrument spielen. Oder: Man macht erst das Europaprofil, wählt aber später den Physik-LK. Alles soll möglich sein, und deshalb gibt es auch keine Schubladen, sondern Module.

„Es war nichts erzwungen“, sagt Andreas Frerkes: „Es wächst, es wird ein Profil daraus, es verankert sich in Unter- und Oberstufe, und es wird ausgelotet, wie man es strukturell aufzieht.“ Das gipfelt etwa in drei naturwissenschaftlichen Leistungskursen in der Oberstufe – wahrlich keine Selbstverständlichkeit, wie der Schulleiter versichert –, bis hin zu der einen oder anderen „Rarität“, oder wie Stefan Binder sagt: einem „Orchideen-Leistungskurs“. So einer war der Musik-LK, den es damals im ersten Jahr der Oberstufe erstmals gab.

Die naturwissenschaftliche Forschung im MINT-Bereich führte Schülerinnen und Schüler bereits zweimal mit dem Wetterballon bis an den Rand des Weltalls.

Forschung mit Galileo und „Bühne frei“

Das sieht dann etwa so aus: Im Wahlpflichtbereich II für Klasse 9 und 10 können Schülerinnen und Schüler wählen zwischen: Französisch als dritter Fremdsprache, dem Galileo-Profil mit Schwerpunkt auf den MINT-Fächern, dem Europaprofil, Informatik als eigenständigem Unterrichtsfach oder „Bühne frei“, einem kreativ-gestalterischen Unterrichtsangebot mit Schwerpunkten in Musik und Kunst.

Wenn sie das Europaprofil wählen, dann geht es für zwei Jahre um Fragen wie: Was ist Europa? Was bringt es mir, in Europa zu leben? Es stehen Studienfahrten an. Etwa nach Brüssel, wo kürzlich die heimische CDU-Europaabgeordnete Verena Mertens besucht wurde, in Steinhagens Partnerstädte Woerden in den Niederlanden und Rujiena in Lettland. Und derzeit ist der Fachbereich gerade dabei, E-Twinning aufzubauen – das ist die moderne Form der Brieffreundschaft.

Jeder kann und soll durch starke Profile die eigenen Stärken entdecken – und auch das ist möglich: am Ende gleichzeitig ein bilinguales und ein MINT-EC-Abitur machen.

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