Westfalen-Blatt 11.03.2026

Steinhagener Gymnasiasten experimentieren auch ohne “Jugend forscht”

Mit den Olchis zum Bundespräsidenten?

von Annemarie Bluhm-Weinhold

STEINHAGEN (WB). „Jugend forscht“ ist am Steinhagener Gymnasium ein Dauerzustand – auch wenn die Schule diesmal keinen Beitrag in den gleichnamigen Wettbewerb entsendet hat. Stattdessen laufen andere spannende Forschungs-Vorhaben. Und möglicherweise steht am Ende sogar ein Besuch beim Bundespräsidenten.

Haben aus Elektroschrott Skulpturen gebaut, ein Theaterstück geschrieben und einen Video-Trailer gedreht: Schülerinnen und Schüler aus der Klasse 10 beteiligen sich am Wettbewerb „Alle für eine Welt für alle“ des Bundespräsidenten. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Vielleicht verschaffen die Olchis Schülerinnen und Schülern aus den zehnten Klassen eine Fahrkarte nach Berlin? In Anlehnung an die kleinen grünen Müllmonster aus der Kinderbuchreihe und dem Film haben sie ihre Hauptfiguren eines Theaterstücks über Elektroschrott und dessen globale Spur der Verschmutzung erfunden. MINT trifft Kultur.

Die Teilnahme am Schulwettbewerb „Alle für eine Welt für alle“ zur Entwicklungspolitik, bei dem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Schirmherr ist, lässt die Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Galileo-Profils des SteinGy interdisziplinär denken. Aus mehreren Bausteinen besteht der Steinhagener Beitrag, der Ende Februar als digitale Präsentation eingereicht worden ist. Roter Faden: Elektroschrott.

Theaterstück behandelt den Müll-Export

Zentraler Aspekt ist das Bühnenstück, das noch vor den Sommerferien Kindern der dritten bis sechsten Klasse gezeigt werden soll: „Die Olchis und das Müllproblem in Ghana – ein Theaterstück über Umwelt, Freundschaft und Verantwortung“ heißt es. Die Botschaft: „Weniger Müller = bessere Zukunft!“ So verspricht es jedenfalls der Trailer. Den Clip hat die Gruppe, die auch ein Plakat gemalt hat, mit Hilfe der KI selbst erstellt. Es geht um den exportierten Elektroschrott, der im globalen Süden nicht nur riesige Umwelt-, sondern auch Gesundheitsschäden verursacht. Und soziales Elend.

Im Theaterstück gerät Olchi-Kind Messi als blinder Passagier auf ein Frachtschiff und mit diesem nach Ghana, wo er auf einer Müllhalde ein Kind trifft, das dort zwangsweise und unter härtesten Bedingen arbeitet. Da das Stück für Kinder geschrieben ist, haben die Zehntklässler, wie sie sagen, versucht, trotz der ernsten Aussage heitere Elemente einzubauen.

Weiterhin gehören zum Projekt die Müllskulpturen. Unterschiedlichste ausgediente Elektroartikel wie ein Bügeleisen und ein CD-Player haben Applikationen aus weiterem Müll bekommen. Und dadurch auch einen tieferen Sinn. Die Uhren-Skulptur beispielsweise soll zeigen: „Das Elektroschrott-Problem gibt es schon länger, aber wir haben nicht viel Zeit, es zu lösen“, erläutern die Schüler.

Und schließlich haben die Zehntklässler eine Handy-Sammelbox in ihrer Schule aufgestellt. Alte oder defekte Handys sind weitverbreiteter Elektroschrott, dachten sich die Schülerinnen und Schüler, konnten aber keine Organisation finden, die ihnen mit Sammlung- und Recycling-Infrastruktur weiterhelfen konnte. Dabei lag die Lösung ganz nahe: bei der Abfallberatung im Steinhagener Rathaus. Anke Ulonska stellte eine Sammelbox zur Verfügung, die dauerhaft im Foyer der Schule stehen soll. 

In der „Science League“ ins Finale

Bereits einmal haben Steinhagener Gymnasiasten einen Bundespräsidenten getroffen. Das war 2012 Joachim Gauck, der ihnen damals den mit 10.000 Euro dotierten Deutschen Klimapreis verlieh. 2026 gibt es wiederum hohe Geldpreise zu gewinnen. Und vielleicht klappt es ja, dass Schülerinnen und Schüler den Bundespräsidenten treffen.

In der „Science League“ spielen sie erfolgreich mit: (v.l.) Michail Cozyrev, Maximilian Burnos, Eric Dick, Leonie Scheermann und Dejin Lin. Im Bild fehlt Jan Bratzel. der Rohbau ihres Supermarktes steht schon, auch die elektronische Packstelle ist schon fertig gebaut.

Um Punkte und Gewinnen geht es derweil auch in der Physik-Vorbereitung, zu der sechs Jungen und Mädchen aus der EF, der Jahrgangsstufe 11, inzwischen unbeschränkten Zutritt haben. Denn oft sind sie in ihrer Freizeit hier, um an ihrer Aufgabe in der „NRW-Science League“ zu arbeiten. Diese besondere Liga wird von der Initiative zdi (Zukunft durch Innovation), die sich der Förderung des MINT-Nachwuchses verschrieben hat, veranstaltet. Seit November wird die Liga bespielt – das Finale ist am 20. Juni in Dortmund. Thema ist in diesem Schuljahr, einen zukunftsfähigen digitalen Supermarkt zu bauen.

Alle vier Wochen gibt es neue Aufgaben, die die Arbeit strukturieren. Der Rohbau des Supermarktes steht schon auf einer ein mal ein Meter großen Platte. Die Wände sind in Farben der unterschiedlichen Abteilungen des Marktes gestrichen. Ein umlaufendes Fließband, das die Einkäufe jedes Kunden zur zentralen Packstelle und Kasse transportiert, ist ebenfalls gebaut worden. Das läuft auch schon und lässt die Waren in die Kundenkörbe fallen.

Auch darüber, wie Kunden ihre Waren mit Hilfe von Barcodes und App scannen, markieren und diese am Ende den richtigen Körben zugeordnet werden, hat sich die Gruppe Gedanken gemacht. Jetzt folgen die Regaleinbauten, im nächsten Schritt werden ein Gewächshaus und eine Cafeteria mit Co-Working-Space gebaut. Der zukunftsfähige Supermarkt soll nicht nur digital, sondern auch nachhaltig, barrierefrei und sozial sein.

Die 3D-Drucker der Schule, für die die Schülergruppe selbst die Programme schreibt, laufen auf Hochtouren. Aus Lego-Spike-Teilen und den programmierbaren Elektronikelementen von Aduino bringen sie die Technik des Supermarktes und des Gewächshauses zum Laufen. 

Mittagspause im Physikraum

Einige von ihnen sind schon länger in der „Science League“ aktiv, andere erst ganz neu hinzugestoßen. Was alle verbindet, ist die Motivation. „Wir können experimentieren und wir probieren einfach auch viel, selbst wenn wir einiges wieder abreißen“, schildern sie. Und: Schön sei, dass man im Team Ideen entwickele. Dafür verbringen sie gerne auch ihre Mittagspause oder ihre Freizeit im Physikraum.

Großes Ziel: der Einzug ins Finale. Während derzeit die Arbeit in allen 30 teilnehmenden Teams dezentral in den Schulen läuft und die Nachweise über die erfüllten Aufgaben per Video erbracht wird, muss am 20. Juni beim Finale in Dortmund eine letzte Aufgabe noch vor Ort erfüllt werden. 14 Teams schaffen den Einzug, die Steinhagener wollen eines davon sein. Die Chancen stehe nicht schlecht. Derzeit sind sie auf Platz fünf.

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