Westfalen-Blatt 16.05.2026

Serie zum 25-jährigen Jubiläum des Steinhagener Gymnasiums: zwei Schulleiter im Gespräch

Pioniergeist prägt – SteinGy-Geist trägt Schule weiter

von Annemarie Bluhm-Weinhold

STEINHAGEN (WB). 25 Jahre alt wird das Steinhagener Gymnasium in diesem Jahr. Wie war es damals in den Gründerjahren? Wie ist es heute mit einer etablierten und renommierten Institution? Zwei Schulleiter haben diese 25 Jahre geprägt: Josef Scheele-von Alven und seit 2018 Stefan Binder.

Binder und Josef Scheele-von Alven nehmen von der zweiten Etage aus die gerade entstehende Erweiterung der Schule in den Blick. Der eine (Scheele-von Alven) wurde 2000 Leiter einer Schule, die gerade erst gebaut wurde, der andere (Binder) freut sich ein Vierteljahrhundert später über die Chancen, die der Neubau bieten wird. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Aktuell 870 Schülerinnen und Schüler und 91 Lehrerinnen und Lehrer (inklusive Teilzeit) füllen das Steinhagener Gymnasium mit Leben. Zwei Schulleiter haben die 25 Jahre geprägt. Im Rahmen der Serie zum Schuljubiläum erinnern sie sich an die Highlights und Herausforderungen der Schule.

Josef Scheele-von Alven, damals stellvertretender Schulleiter am Brackweder Gymnasium, weiß noch genau, wie er sich im Sommer 2000 mit seiner Frau im Steinhagener Rathaus den Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs für das Steinhagener Gymnasium ansah. „Das war schon attraktiv. Ein sehr gutes und professionelles Gebäude. Ich dachte: ‚Da werde ich Schulleiter.‘“

Ein von Anfang an besonderer Spirit

Nun: Er bekam die Stelle, wurde „Schulleiter auf der grünen Wiese“. Das Gebäude gab es noch nicht, noch nicht einmal die Container. Das erste Schulleiterbüro befand sich im Steinhagener Rathaus. Dort fand auch die Anmeldung für den ersten fünften Jahrgang statt.

„Wir hatten direkt 80 Anmeldungen“, sagt er. Und es klingt ein bisschen stolz – darf es auch, denn es ist ja nicht selbstverständlich, dass einer noch nicht existierenden Schule so viel Vertrauen entgegen gebracht wird. Aber vielleicht ist auch das das Geheimnis des Erfolges: „Es war von Anfang an ein besonderer Spirit da. Das ging schon los mit dem Förderverein, der gegründet wurde, bevor das erste Schuljahr überhaupt begann. Alle waren mitgerissen, weil sie Teil eines besonderen Prozesses waren“, so Scheele-von Alven.

Die Vision, oder nüchterner gesagt: das Konzept der Schule, war und ist: „Das Steinhagener Gymnasium soll nicht nur ein Gymnasium, sondern eine Schule für den Ort sein.“ So wurden zum Beispiel ganz schnell Kooperationen geschlossen, etwa mit der Sportvereinigung für Angebote im Nachmittagsbereich. Und auch die musikalischen Veranstaltungen hatten von Anfang an Strahlkraft über die Schulgemeinschaft hinaus.

Was der Schule besonderen Schwung verlieh: Neun Jahre lang gab es alles das erste Mal. „Der erste Jahrgang war immer Vorreiter, immer Versuchskaninchen“, so Scheele-von Alven, der sich offenbar gerne an die Schülerinnen und Schüler erinnert: „Es war ein guter Jahrgang.“

Derweil warfen auch andere einen interessierten Blick auf die neue Schule, die auf Steinhagens grüner Wiese am Cronsbach entstand – und pädagogisch offenbar auch attraktiv war, weil man alles erst einmal entwickeln musste. Stefan Binder jedenfalls fuhr jeden Tag auf seinem Weg zur Hans-Ehrenberg-Schule in Sennestadt an der Baustelle vorbei. „Ich sah, dass da etwas wächst, und dass ich da hin muss.“

Täglich entstand etwas Neues

Das gelang. 2004 fing Binder am SteinGy an, wo er mit Christa Wille-Möller das Fach Musik aufbaute, und gemeinsam mit Beate Sehlhoff und Elmar Westerbarkey präsent machte.

„Kein Lehrer hat hier nur unterrichtet. Wenn Lehrkräfte Lust haben, dann haben sie besondere Spielräume“, schildert Scheele-von Alven den Pioniergeist der ersten Jahre – der bis heute geblieben ist, wie sich etwa in den besonderen Konzepten zur Öffnung von Schule auch ein Vierteljahrhundert später zeigt.

„Der Prozess von der Idee zur Umsetzung war so kurz, dass man täglich sah, was Neues entstand“, so Binder zum Beispiel mit Blick auf die Bläserklasse, deren ersten Jahrgang er unterrichtete.

Von Anfang an war in Josef Scheele-von Alvens Kopf auch die Idee mit dem Ganztag: „Das Schlimmste an einem Gymnasium ist, dass man sich langweilt. Die Schule muss Ort des Lebens sein“, sagt er. Zuerst mit den AG’s. Spätestens aber mit der Einführung von G8 im Jahr 2005 war der Ganztag unumgänglich: „Die Wochenstundenzahl wurde pro Jahr erhöht. Das war nur im Ganztag möglich“, so Scheele-von Alven.

Ganztag pädagogische Antwort auf G8

„Zeit für mehr“ hieß die pädagogische Antwort auf die Herausforderung. 2009 wurde der gebundene Ganztag eingeführt. Zehn Jahre später dann die Rückkehr zu G9. „Ich denke, ohne diese drei grundlegenden Entscheidungen hätte sich unsere Schule womöglich anders entwickelt“, so Binder.

In den 2000er Jahren aber war die familienpolitische Situation noch anders, zumal im ländlichen Bereich. „Einige Eltern musste man überzeugen vom Ganztag. Aber dann fand er schnell Akzeptanz, weil wir ein gutes Angebot machten“, so Scheele-von Alven. Und im Gegensatz zu anderen Gymnasien, die auch Nachmittagsunterricht anbieten, hat Steinhagen durch den gebundenen Ganztag den Vorteil eines personellen Zuschlags.

Die personelle Situation hingegen ist längst nicht mehr die der Gründerjahre. „Damals konnten wir unsere Lehrer selbst aussuchen mit eigenen Bewerbungsverfahren und Auswahlkommission“, so der frühere Schulleiter. Dass in der Ausschreibung schon Anforderungen wie die Bereitschaft zum Nachmittagsunterricht standen, schreckte nicht. „Wir konnten uns die Lehrkräfte immer aussuchen, weil die Schule attraktiv war“, so Scheele-von Alven.

Das ist sie zwar immer noch, geändert haben sich aber die äußeren Bedingungen. „Es gibt keine Stellen mehr“, sagt Stefan Binder, der 2008 Mittelstufenkoordinator wurde, 2014 stellvertretender Schulleiter und 2018 dann an die Spitze rückte. Die größte Baustelle ist keineswegs die Großbaustelle vor der Tür, sondern das Personal: „Die Schulen stehen ganz schön unter Druck, um den Unterrichtsbetrieb aufrechtzuerhalten.“

Ohne sie wäre auch der Schulleiter nichts: das Kollegium des Steinhagener Gymnasiums. Das sind aktuell 91 Lehrerinnen und Lehrer. Foto: Steinhagener Gymnasium

Schule entwickelt sich immer weiter

Vor 25 Jahren sei es darum gegangen, etwas Neues zu erschaffen, jetzt gehe es darum, mit begrenzten Mitteln das Möglichste zu erreichen. Die Personalausstattungsquote liegt heute bei 80 Prozent. In den ersten Jahren waren es 95 Prozent.

Dennoch: Schule entwickelt sich weiter, und insbesondere das SteinGy sieht sich mit guten Ideen, Konzepten und viel Engagement auf sehr gutem Weg, was nicht zuletzt die hohen Anmeldezahlen in einer stabilen Vierzügigkeit bestätigen. „Wir haben den Ausbau der Digitalität an der Schule sowohl in der Ausstattung als auch in der pädagogischen Umsetzung mit innovativen Ideen vorangebracht und stellen uns den immer neuen und schnelllebigen Entwicklungen mit großer Offenheit“, so Binder etwa mit Blick auf KI-Einsatz im Unterricht.

„Nachhaltige Entwicklung ist nicht das Produkt einzelner, auch nicht der Schulleitung. Sie kann besonders erfolgreich und nachhaltig vorangebracht werden, wenn es gelingt, viele Menschen mitzunehmen, sie in Bewegung, Kooperation und eigene Verantwortung zu bringen“, so der Schulleiter. Er freut sich über das Engagement nicht nur seine Kollegiums, sondern auch der Schülerinnen und Schüler, was sich im „Tag der Vielfalt“ oder im „Zweitzeugen-Projekt“ zur Erinnerungskultur, im Musiktechnikkonzept und im Workshop zur Klimakonferenz ausdrückt.

Deshalb ist für Binder die große Konstante: „Die Aufbruchstimmung, mit vielen Menschen gute Schule zu entwickeln, Mitgestaltung und Verantwortungsübernahme zu ermöglichen und zu leben, prägen die Kultur unseres Miteinanders“, hofft er, dass dieser SteinGy-Geist die die Schule auch in Zukunft weiter tragen möge.

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