Neue Westfäl.,24.06.2015

 

Mit dem Bobby-Car zur Sonne

 

Tuning-Werkstatt für die kleinen Plastikautos / Rennen am Samstag, 29. August

 

nw250615Ganz leicht aus Aluminium: Das Team vom Gymnasium Steinhagen mit Ann-Kathrin (16, von links), Christian (16), Lennart (15), Dennis (16), Bjarne (17) und Joshua. FOTOS: OLIVER KRATO

 

Das Miele-Team aus Bielefeld kam mit einem rosa Fahrgestell. Voll die Mädchenfarbe. „Das bleibt nicht so. Bis zum Rennen wird das umlackiert", sagt die 17-jährige Julia routiniert. Das Rosa ist Grundierung und das Rennen ist am Samstag, 29. August, ab 10 Uhr auf dem Gelände der Stadtwerke Bielefeld an der Brüggemannstraße. Jetzt stellten einige Teams ihre Bobby-Cars für den Solar-Cup bei den Experten des ADAC und TÜV Nord vor. Es ging um Tuning.


Das gemeinsame Team der Firma Miele und des Gymnasiums am Waldhof wird das Fahrgestell des Bobby-Cars neu lackieren. Die Farbstellung wird rot, gelb und grün sein. Im letzten Jahr war nicht die Farbe das Problem, sondern die Kurvengängigkeit. Daran haben die Jugendlichen gearbeitet. Jetzt soll das Fahrgestell stabil sein.


Das Rennen um den Bobby-Car-Solar-Cup gibt es seit 2007. Sechsmal war die WEGE der Veranstalter, seit zwei Jahren ist es der Verein Energie-Impuls aus Milse. Das ist ein Zusammenschluss von 130 Firmen, die sich mit erneuerbaren Energien beschäftigen.


In diesem Jahr ist der Wettbewerb erstmals völlig offen für Teams aus OWL. Angemeldet haben sich 25 Mannschaften mit je 10 Schülern pro Team. Nach den Regeln müssen Fahrer oder Fahrerin unter 10 Jahren alt sein, denn das rote Bobby-Car aus Plastik ist eigentlich ein Kinderspielzeug.


Der Formel-1-Flitzer des Gymnasiums Steinhagen wird am Renntag gesteuert von der neunjährigen Grundschülerin Nele Betsch. Das Besondere an dem Wagen ist seine leichte Bauweise, alles Aluminium, nur die rote Bobby-Car-Karosse ist aus Plastik.


Einer der Konstrukteure ist Schüler Dennis Grönke (16). Sie haben das Gas- und Bremspedal aus Alu gefertigt, das Ritzel, den Rahmen und die Achsen. Angetrieben wird der Kinderbolide von einen leisen Elektromotor mit 250 Watt. Den müssen alle haben. Mehr Watt sind verboten. Gefahren haben die Schüler ihren Rennwagen noch nicht. Und wie viel er genau wiegt, weiß auch keiner. Dennis: „Jedenfalls sehr leicht." Der Sonnenstrom kommt aus Solarzellen, die in einem Paket auf dem Wagen montiert sind.


Alle Teams wurden schon vor Wochen vom Veranstalter mit einem Original Bobby-Car, elektrischem Antriebsmotor und Regler sowie einem Photovoltaik-Bausatz ausgerüstet. Mit Geschick und Fantasie sowie zusätzlichen Bauteilen können die Jugendlichen ihre eigenen Vorstellungen eines renntauglichen Gespanns realisieren. Dabei ist die Zusammenarbeit mit den Unternehmen der Region Voraussetzung für die Teilnahme am Bobby-Car-Solar-Cup.


Weil es um Jobs der Zukunft geht, ist auch die Agentur für Arbeit ein wesentlicher Förderer des Rennens. Der Wettbewerb soll Jugendlichen die Berufsorientierung und den direkten Kontakt zu Unternehmen und einem möglichen Ausbildungsplatz ermöglichen.


Eine Jury beurteilt einen Tag vor dem Rennen die Bobby-Cars im Hinblick auf Kreativität, Ausführung, Design, Dokumentation und Kooperation mit einem Unternehmen. Am Renntag geht es um Geschwindigkeit und Geschicklichkeit.

 

Spielauto für die Kleinsten
Das Bobby-Car ist ein Spielauto für Kleinkinder ab 12 Monaten. 60 Zentimeter lang und rund 40 Zentimeter hoch, mit vier Rädern aus Kunststoff. Seit 1972 wird es produziert. Bis heute wurden rund 17 Millionen Bobby-Cars gebaut.


Der Name Bobby-Car ist geschützt, eine Alternativ-bezeichnung wäre „Lauflernfahrzeug" oder „Rutschauto" wegen des Rutschens der Kinder mit den Beinen auf dem Boden.


Der Geschwindigkeitsrekord mit einem modifizierten Bobby-Car liegt bei 115 Stundenkilometern — ohne Motor, aufgestellt beim Festival of Speed auf einer abschüssigen Straße in Gedem. Im August 2012 hat die „taz" das Bobby-Car scherzhaft zum „umweltfreundlichsten Auto des Jahres" gekürt.


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