Westfalen-Blatt,13.08.2015

 

Neue Schule mit aufgebaut

 

Erste Vorsitzende der Schulpflegschaft des Gymnasiums: Petra Stockhecke gibt nach 14 Jahren Amt ab

 

wb130815Ein Aktenordner oder ein Gigabite auf dem Datenstick: Petra Stockhecke hat die Übergabe an die Nachfolger gut vorbereitet. Foto: Bluhm

 

Das ist eine lange Amtszeit: 14 Jahre war Petra Stockhecke Schulpflegschaftsvorsitzende des Gymnasiums — die erste und bisher einzige der Schule. Mit Beginn dieses Schuljahrs hat sie ihren Posten aufgegeben.


Nachdem nun mit Sohn Manuel auch das dritte Kind Abitur gemacht hat, verabschiedet sich die Mutter ebenfalls vom Gymnasium. Das dürfte — für beide Seiten —ziemlich ungewohnt sein. Das fing schon gestern an: 14 Jahre lang hat sich Petra Stockhecke den ersten Schultag frei genommen, um bei der Einschulungsfeier dabei zu sein. Diesmal ist sie arbeiten gegangen. Ihre bisherigen Stellvetreter, Petra Thölen-Sievert Und Christoph Apel, machen derzeit zu zweit weiter. Die Amtsübergabe ist gelaufen: In einen Aktenordner bzw. in einem Gigabite auf dem Datenstick hat Petra Stockhecke die Infos für die Nachfolger zusammengepackt.


Was bleibt aus 14 Jahren? »Es war sehr interessant, eine neue Schule mitaufzubauen«, sagt die 50-Jährige. Die Elternvertreter haben viel mitentschieden: von der Organisation der Pausen über die Auswahl der dritten Fremdsprache bis zum Aufbau des Ganztags. Den Weihnachtsmarktstand hat die Schulpflegschaft ebenso alleine organisiert wie die Fundsachenversteigerung beim Tag der offenen Tür. Dabei sind durchaus erkleckliche Summen in die Kasse gekommen, von denen die Schulpflegschaft Extras finanzieren konnte. Selbst die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Schule stammt zum Teil aus diesem Geld.


»Wir haben uns um die Annehmlichkeiten für unsere Kinder ebenso wie um fachliche Dinge gekümmert«, sagt sie und ist dankbar für die Möglichkeiten der Einflussnahme: Elternvertreter saßen mit in der Schulkonferenz, in den Fachkonferenzen und in den je nach Schuljahr themenspezifischen Teilkonferenzen.


Da muss man schon gut vernetzt sein, wenn man mit allen mitwirkenden Eltern sowie auch Kollegium und Schulleitung im Austausch sein will: »Vernetzung ist das A und 0. Ich habe viel per E-Mail gemacht.« Zumal die Schulpflegschaft inzwischen 30 bis 50 Eltern umfasst. Da müssen auch die Sitzungen gut durchstrukturiert sein. Klare Absprache, eine straffe Tagesordnung: Themen, die besprochen werden sollen, waren spätestens sieben Tage vor der Sitzung einzureichen, die Sitzungszeit war auf zwei Stunden begrenzt. »Sonst wird man nie fertig«, so Petra Stockhecke.


Als Schulpflegschaftsvorsitzende hat sie sich auch eine besondere Vertrauensstellung bei Eltern wie bei Schulleitung und Kollegium erworben. Das bedingt einerseits eine gewisse Diskretion, aber auch das Gespür, was man wo ansprechen kann. Mit Schulleiter Josef Scheele-von Alven sei es eine Symbiose gewesen: »Nach all den Jahren war es wie bei alten Ehepaaren. Man versteht sich blind.« Sie habe offen alles ansprechen können und festgestellt, dass das persönliche Gespräch immer das beste sei.


Dass sie viel Fachwissen erworben hat in 14 Jahren, muss sicherlich nicht betont werden — vielleicht eher dieses: Als Schulpflegschaftsvorsitzende ist man auch eine Schaltstelle für die praktischen Fragen des Alltags wie die Organisation eines Ständers für den riesigen Schulweihnachtsbaum. Den lieh sie von der Kirchengemeinde: »Wir brauchen ihn im Advent, die Kirche erst zu Heiligabend.«


Mit ihrer ältesten Tochter Leonie hat Petra Stockhecke 1997 an der Grundschule Amshausen die Schulpflegschaftsarbeit aufgenommen. 2001 wechselte sie mit ihr zum Gymnasium. Kurz vor den Sommerferien haben Eltern und Lehrer sie feierlich verabschiedet. Was kommt jetzt? Zehn Stunden mehr Zeit pro Woche hat sie ja nun. »Sport und Garten«, zählt Petra Stochecke auf: »Und vielleicht irgendwann mal wieder ein Ehrenamt.«