Terrorangst: Gymnasium stellt Kursfahrten um – Realschule nach Paris

Klassenfahrten in Zeiten des Terrors: London, Paris und Wien sind aus dem Fahrtenprogramm des Steinhagener Gymnasiums gestrichen.Westfalen-Blatt 28.09.2017

wb280917Paris, Wien, London: Im Programm des Gymnasiums kommen sie nicht mehr vor. Die Realschule will im Juni nach Paris. Montage: Sönel

Die Oberstufenkurse fahren stattdessen im nächsten Sommer nach Oxford und Krakau. Einzig Berlin ist unter den Hauptstädten übriggeblieben.
Hintergrund sind teils heftige Diskussionen in der Eltern- und jüngst auch in der Lehrerschaft über die Sicherheit bei Fahrten in die europäischen Metropolen. Hysterisch nennt Schulleiter Josef Scheele-von Alven das: »Wenn man vernünftig überlegt, ist die Gefahr, Opfer eines Autounfalls zu werden, ungleich höher«, sagt er und benutzt einen juristischen Begriff: allgemeines Lebensrisiko.


Doch die Angst vor Terroranschlägen hat nicht erst kürzlich, als etwa nach dem Anschlag in der Londoner U-Bahn eine Klassenfahrt der Realschule Halle abgesagt worden ist, sondern schon vor Jahren Einzug in die Diskussionen über das Fahrtenprogramm am Steinhagener Gymnasium gehalten. Wenn die Französischkurse die Partnerschule Villeparisis besuchen, ist Paris gestrichen. Im Juni fand die Studienfahrt des Englischkurses nur ein paar Tage nach dem Anschlag auf der London Bridge statt: »Die Schüler haben zwar in London gewohnt, aber das Programm wurde ins Umland verlegt. Dann muss man nicht mehr nach London fahren«, so Scheele-von Alven.


Für die diesjährige Jahrgangsstufe 11 geht es deshalb gleich nach Oxford. Die Historiker fahren nach Krakau. Scheele-von Alven: »Ich werde keine Fahrten mehr nach London und Paris genehmigen, und auch nicht nach Wien, das auch einigen zu unsicher erschien, weil dort die UNO sitzt.« Auch wenn es nur einige Eltern pro Klasse sind, die Ablehnung zeigten: »Mehrheiten lassen sich in diesem Fall nicht durchsetzen, weil man in eine Situation wie an der Realschule Halle hineinläuft und am Ende auf tausenden Euro Stornokosten sitzen bleibt«, so Scheele-von Alven.


Etwa 110 bis 120 Schüler pro Jahrgang sind in der Oberstufe von den Entscheidungen zum Fahrtenprogramm betroffen. »Die Schüler möchten gerne in die Hauptstädte. Ihnen kommt es auf ein attraktives Angebot an«, so der Schulleiter. Aus der Schülervertretung heißt es, das Thema sei eigentlich kein Diskussionspunkt.


Die Zehntklässler der Steinhagener Realschule sind derzeit in Berlin. »Es gab keine Bedenken von Eltern oder Lehrern«, sagt Schulleiter Frank Kahrau. »Wir wollen im Juni nach Paris fahren. Natürlich beachten wir die aktuelle Lage, Hinweise der Bezirksregierung und wägen ab. Man darf sich nicht vor dem Terror verstecken. Aber wir haben auch eine Fürsorgepflicht.« Im Rahmen des Comenius-Projektes besucht die Realschule demnächst auch die Partnerschule in Barcelona.


Wie ist die Haltung zum Thema Klassenfahrten in anderen Schulen im Altkreis? Markus Spindler, Schulleiter des Kreisgymnasiums Halle, ist gelassen – zufällig steht aber auch keine Metropole an. »Der Q1-Kurs fährt nach England, aber Richtung Manchester. Es gibt auch keine Aufforderung von Eltern, bestimmte Orte zu meiden.« Und auf Fahrten zur Partnerschule in La Rochelle werde selbstverständlich Halt in Paris gemacht.
Michael Strangmann, Stellvertreter an der Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule, sagt, dass das Thema zwar diskutiert werde, es aber keine Veränderungen im Programm gebe. »Kürzlich waren die Zehntklässler noch in Amsterdam und die Oberstufe in Barcelona.«




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