Juniorwahl:Erstmals geben rund 300 Gymnasiasten ihre Stimme ab.Die Wahlbeteiligung an der Schule wird vermutlich weit über Bundesdurchschnittliegen. Haller Kreisblatt, 22.09.2017

hk220917bMachen von ihrem Recht Gebrauch: Wahlhelferin Thulasy Thayaparal (von links) öffnet im Wahllokal des Gymnasiums die Urne, damit Lea Mathiak und Naja Joachim ihre Stimmzettel einwerfen können. Fotos: Jonas Damme

Bei der Bundestagswahl 1972 haben mehr als 90 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. 2013 waren es 20 Prozent weniger. Bei der Landtagswahl NRW im Mai lag die Beteiligung sogar noch niedriger. Auch Lars Osterfeld, Politiklehrer am Gymnasium, ist die zunehmende Politikverdrossenheit nicht entgangen.

Erstmals hat er mit seiner Kollegin Annika Hoffmann nun ein Projekt aufgelegt, das den Gymnasiasten die Demokratie näherbringen soll. Auch die Jugendlichen hatten sich zuvor noch nicht sehr ausführlich mit der anstehenden Wahl beschäftigt. „Die Basics sind bis in die zwölfte Klasse hinein nicht oder nur sehr lückenhaft vorhanden“, erklärt Osterfeld. „Das TV-Duell zwischen Merkel und Schulz haben zum Beispiel höchstens zehn bis 15 Prozent der Schüler gesehen. Die bekommen eher den Krawall mit, den Trump macht.“

Deshalb fand am SteinGy nun die erste Juniorwahl statt. Alle Neunt- bis Zwölftklässler bekamen in den vergangenen Wochen ihre Wahlbenachrichtigung. Wählen dürfen allein reicht aber nicht. Seit den Sommerferien wurde deshalb im Politik- und Sozialwissenschaftsunterricht die deutsche Politik durchgenommen. Statt aber historisch zu arbeiten, war der Stoff tagesaktuell.

„Wir haben geklärt, was die Erst- und was die Zweitstimme ist oder wer in unserem Wahlkreis antritt“, so der Politiklehrer. „Außerdem haben wir den Wahl-O-Mat ausprobiert.“ Darüber hinaus wurden Wahlplakate analysiert. Gruppen haben große Aufsteller vorbereitet, auf denen die Forderungen der wichtigsten Parteien stehen. Entsprechend der »Juniorwahl« haben die Gruppen dabei auch oft auf Jugendthemen geachtet, so taucht das Jugendstrafrecht auf und die Diskussion um die Legalisierung von Cannabis.

hk220917aWill Demokratie lehren: Politik- und Sozialwissenschaftslehrer Lars Osterfeld präsentiert die Wahllisten und -benachrichtigungen.

Gestern wurde es nun ernst. Rund 300 Schüler durften im gymnasiumeigenen Wahllokal – natürlich in geheimer Abstimmung – ihre zwei Stimmen abgeben. „Die Stimmzettel sind genau die selben wie am Sonntag“, erklärt Lars Osterfeld. Sie stammen vom Projekt »Juniorwahl«, das größten Wert darauf legt, die Nachwuchswahl wie eine echte aussehen zu lassen.

Das ist auch der Grund, dass es heute noch keine Ergebnisse gibt. Die werden erst am Sonntagabend ab 18 Uhr präsentiert. Der Hauptgrund neben der Parallele zur echten Bundestagswahl ist, dass unter den Juniorwählern auch einige echte Erstwähler sind. Und deren Wahlverhalten soll durch Vorabergebnisse nicht beeinflusst werden. Sollte sie allerdings ihre in den vergangenen drei Wochen rapide gestiegene Kompetenz in Sachen Politik beeinflussen, ist das Ziel der Juniorwahl erfüllt.

Die Ergebnisse wird das Haller Kreisblatt Anfang kommender Woche veröffentlichen.

Haller Kreisblatt vom 26.09.2017:

Steinhagener Schüler haben gewählt: Elvan Korkmaz gewinnt

Stein­ha­gen (son). Am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag waren 300 Gym­na­si­as­ten auf­ge­ru­fen bei einer Ju­nior­wahl vorab zur Urne zu gehen (das HK be­rich­te­te). Nun dürfen die Er­geb­nis­se ver­öf­fent­licht werden. Dies war vorm 24. Sep­tem­ber nicht er­laubt. Die Wahl­be­tei­li­gung lag bei über­durch­schnitt­li­chen 89,6 Pro­zent. Anders als bei der »rich­ti­gen« Wahl hat hier mit der Erst­stim­me Elvan Kork­maz (SPD) mit 34,0 Pro­zent ge­won­nen. Ihr folgt Ralph Brink­haus (CDU) mit 28,5 Pro­zent der Stim­men. Weiter ver­tei­len sich die Erst­stim­men wie folgt: Jürgen Wäch­ter (Grüne): 17,0 Pro­zent, Shen Ibra­him­sa­deh (Linke): 6,3 Pro­zent, Phil­ipp Wink­ler (FDP): 10,7 Pro­zent, Udo Hem­mel­garn (AfD): 3,2 Pro­zent und Bernd Kirmes (FW): 0,4 Pro­zent. Bei den Zweit­stim­men können vor allem die klei­ne­ren Par­tei­en bei den Schü­lern punk­ten. Das Er­geb­nis: CDU: 23,7 Pro­zent, SPD: 20,2 Pro­zent, Grüne: 19,3 Pro­zent, FDP: 19,3 Pro­zent, Linke: 5,5 Pro­zent, AfD: 3,6 Pro­zent und Sons­ti­ge: 8,1 Pro­zent.


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