Westfalen-Blatt,21.11.2014

Experimentierfeld zwischen Watt und All


Steinhagener Gymnasium wird als »MINT-freundliche Schule« ausgezeichnet

 

wb211114aDie Viertklässler der Grundschule Brockhagen waren zum »Nawi«-Schnuppertag im Gymnasium und hatten nicht nur Spaß mit dem Fahrradgenerator, mit dem Mitschüler Mika Lichter zum Leuchten bringt. Mit dabei waren auch 28 Schüler der Klassen acht bis zehn, die derzeit eine Ausbildung zum Laborhelfer durchlaufen. Fotos: Bluhm-Weinhold

 

Dass man wie am 6. Juni 2012 vom Bundespräsidenten empfangen und mit dem Deutschen Klimapreis bedacht wird, passiert nicht alle Tage. Doch auch der naturwissenschaftliche Alltag am Steinhagener Gymnasium ist keineswegs — um bildlich bei der Physik zu bleiben — ohne Spannung. Jetzt ist das MINT-Programm der Schule sogar zertifiziert.

 

Umfangreiche Kriterien

 

hk151114Das MINT-Siegel soll die Qualitäten des Gymnasiums öffentlich machen: Die Schüler Momme Hengstenberg und Joshua Wagner sowie die Lehrer Jennifer Kruppke und Andreas Frerkes haben die Auszeichnung der Bildungsinitiative entgegen genommen. Foto: RAG

 

MINT, also Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, ist am Steinhagener Gymnasium ein komplexes Feld. Und das hat offenbar auch die Jury der Bildungsinitiative MINT Zukunft schaffen« so gesehen und bei einer Feierstunde im Wissenschaftspark in Gelsenkirchen das SteinGy als »MINT-freundliche Schule« ausgezeichnet.

 

Ein Siegel, das die Qualitäten der Schule sichtbar werden lassen soll für Schüler, Eltern und Unternehmen. Eine

Extra-Qualifikation musste die Schule nicht mehr leisten —aber einen umfangreichen Kriterienkatalog erfüllen: vom Schulprogramm und von formalen Strukturen in (Leistungs-)Kursen über Berufsorientierung und Mädchenförderung bis hin zu Partnerschaften mit der Wirtschaft und Vernetzung mit anderen Institutionen.
Höhenflüge

 

wb211114cDas wohl spektakulärste Projekt bisher: Nicole Baeumer, Jonas Willinski und David Märtins lassen den Wetterballon steigen.

 

Ob vordere Platzierungen bei »Jugend forscht«, das »Insel-Projekt« zur Erkundung des Wattenmeeres vor Spiekeroog, die Schulungen im Teutolab der Uni oder die Praktika im High-Tech-Lehrlabor von Baxter oder auch die Photovoltaikanlage, die die Schule aus eigenen Mitteln aufs Dach gebaut hat und die inzwischen Gewinne im höheren vierstelligen Bereich in die Kasse des Fördervereins der Schule spült: Das sind nur ein paar Beispiele aus einem Zweig des Steinhagener Gymnasiums, der gewissermaßen naturgemäß nach Neuland forscht — und es auch entdeckt. Das muss nicht unbedingt so spektakulär sein wie 2013 beim Flug eines Wetterballons bis in die Stratosphäre. Projekte, AGs und Wettbewerbsteilnahmen begleiten den »ganz normalen« Unterricht — gerne ganz praktisch und gerne auch fächerübergreifend. Das MINT-freundliche SteinGy: ein Experimentierfeld im besten Sinne.

 

Davon konnten sich gestern Vormittag die Viertklässler der Grundschule Brockhagen überzeugen, die mit ihrer Lehrerin Helga Retzlaff zum »Nawi«-Tag gekommen waren — und das ist ein Beispiel für die Vernetzung des Gymnasiums mit anderen Schulen. Die Lehrer Tim Sökefeld und Andreas Frerkes, die mit Biologie-Kollegin Brigitte Pfitzner und 28 Helfern aus der Schülerschaft den Tag organisiert hatten, bedienten jedes Klischee der Naturwissenschaften. »Wenn's knallt und stinkt«, dann war es gestern nicht nur Chemie, sondern auch Physik: Die Brausetabletten-Rakete erfüllte ebenso wie die Wunderkerze, die noch unter Wasser brennt, die Herstellung von Goldmünze oder die Erforschung der Biene unter dem Okular den Anspruch, Wissenschaft spannend und anschaulich zu machen. »Wir müssen früh das Interesse an Naturwissenschaften wecken«, weiß Andreas Frerkes, MINT-Koordinator.

 

Mädchen vor

 

Und das gilt insbesondere bei Mädchen. Deren Förderung ist nicht nur ein Kriterium beim MINT-Siegel, sondern auch ein Anliegen der Steinhagener Lehrer. Auch in den Physik-Leistungskursen am SteinGy hat es bisher wenig Mädchen gegeben. »Wir haben im jetzigen Q 1-LK die bisherige Rekordquote von sieben Mädchen bei 20 Teilnehmern insgesamt«, so Frerkes. In der Mittelstufe sind die Zahlen in den AGs und Kursen noch weitgehend gleichrangig, in den Chemie-Grundkursen der Oberstufe auch, und in der Biologie sind die Jungen eindeutig in der Unterzahl. »Man muss früh das Interesse der Mädchen für Technik wecken und Selbstvertrauen aufbauen«, so Frerkes. Und das geschieht am besten über Projekte, gerade im Umweltbereich, oder über außergewöhnliche Konstellationen wie im Kurs von Lehrerin Vera Linn, die mit den Mädchen physikalische Skulpturen gebaut hat.

 

Nachwuchs gesucht

 

Gerade in den Ingenieurberufen werde händeringend nach Frauen gesucht, sagt Andreas Frerkes. Wie nach Nachwuchs überhaupt. Fast alle, die den Physik-LK absolviert haben, studieren inzwischen in den entsprechenden Fächern —der eine oder andere auch mit Fördergeldern des »Einstein OWL«-Preises, der mehrfach an Steinhagener Gymnasiasten ging.

 


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