Haller Kreisblatt, 31.12.2013

Das Chaos ist vorprogrammiert


Schülerbeförderung: Gymnasium wehrt sich gegen Fahrplanänderungen ab 1. Januar/ Zu viele Schüler für zu wenig Busse befürchtet

 

hk311213Haltestelle wird Wartestation: Schulleiter Josef Scheele-von Alven, die Schülervertreter Ronja Gehring, Lara Dickeduisberg und Jonas Halle sowie Schulpflegschaftsvorsitzende Petra Stockhecke (von links) befürchten für den ersten Schultag im neuen Jahr viele wartende Schüler an der Bushaltestelle am Schulzentrum. FOTO: J. WOHLGEMUTH

 

„Wir hatten gehofft, dass sich mit einem neuen Busbetreiber der Schülerverkehr verbessert. Doch das Gegenteil ist der Fall." Josef Scheele-von Alven ist sauer. Der Leiter des Steinhagener Gymnasiums befürchtet, dass ab der nächsten Woche dutzende Schüler vergeblich auf einen Bus warten werden.


Wie berichtet, wird ab Mittwoch die Busverkehr Ostwestfalen GmbH (BVO) den Busverkehr im Norden des Kreises Gütersloh übernehmen. Und für die Gemeinde Steinhagen stellen sich mit dem neuen Fahrplan schon jetzt einige Nachteile heraus. Viele Schüler werden nach Unterrichtsende ihre Busse nicht erreichen können. Auf den nächsten Bus warten geht aber auch nicht, denn den wird es nicht mehr geben. Denn die Haltestelle Schulzentrum wird vom Linienverkehr abgekoppelt. Nur noch parallel zum Schulschluss sollen Schulbusse dort halten.


Wenn die Schüler mittags stehen bleiben, müssten sie von den Eltern abgeholt werden. „Wenn das überhaupt möglich ist", entgegnet Petra Stockhecke, Vorsitzende der Schulpflegschaft. „Nicht alle Eltern sind zu der Zeit verfügbar oder haben dann ein Auto. „Ich sehe da eine Katastrophe auf uns zukommen und mir wäre lieber, wir könnten die im Vorfeld abwenden", ergänzt der Schulleiter.


Wir setzen sehr auf die Busse, damit möglichst wenig Autoverkehr vor der Schule herrscht", sagt Stockhecke. „Das ist ja auch nicht ganz ungefährlich. Zusätzliche Autos gefährden auch zusätzlich die Verkehrssicherheit."


Das trifft auch auf den Schulbeginn zu. Wer nicht zur ersten Schulstunde erscheinen muss, konnte bisher mit dem Linienbus am Schulzentrum aussteigen. Laut neuem Fahrplan hält dort kein Bus mehr. Schüler müssten von den Eltern gebracht werden oder früher kommen und eine Schulstunde warten.


Schulschluss ist am Gymnasium nach der 6. Stunde um 13.10 Uhr. Und die Busse fahren um 13.13 Uhr (Richtung Halle), 13.10 und 13.17 Uhr (Richtung Quelle). Das ist für die Schüler nicht zu schaffen, wenn sie nach dem Schlussgong noch ihre Tasche packen und 250 Meter bis zur Haltestelle laufen müssen.


Nach der 9. Stunde (montags, mittwochs und donnerstags ist Ganztagsunterricht) das gleiche Spiel: Schulschluss ist um 15.40 Uhr, die letzten Busse fahren um 15.45 Uhr Richtung Halle, Quelle und innerhalb Steinhagens.
Oft haben Schüler auch über diese Uhrzeit hinaus Unterricht wie zum Beispiel Sport. Für die fährt künftig gar kein Bus mehr. Dem Zugeständnis der BVO, „die Busfahrer fahren erst los, wenn alle da sind", schenken die Schülervertreter am Gymnasium kein Vertrauen. „Das können die ja gar nicht wissen, wann wirklich alle da sind", sagt Jonas Halle. Zudem würde das den weiteren Fahrplan verzögern.

 

„Wir würden ja unsere Schulzeiten diesem Plan anpassen", sagt Scheele-von Alven. Er würde die Pausen verkürzen. „Doch das funktioniert trotzdem nicht. Denn laut neuem Fahrplan fehlt ein zweiter Bus, so dass überhaupt nicht alle Schüler des Gymnasiums - vorausgesetzt sie sind pünktlich an der Haltestelle - aufgenommen werden können.

 

„Wir haben uns die Wohnorte unserer Schüler angesehen", so der Schulleiter. Etwa 135 Mädchen und Jungen müssen nach der Schule in Richtung südliches Bielefeld, also nach Quelle, Ummeln oder auch Obersteinhagen. „Das ist eindeutig zu viel für nur einen Bus." Und dabei sind noch nicht die Haupt- und Realschüler berücksichtigt.

 

Scheele-von Alven habe die BVO um Stellungnahme gebeten, aber nur unbefriedigende Antworten bekommen. „Die BVO argumentiert, die Nachteile des Fahrplanes für das Steinhagener Schulzentrums würden an anderer Stelle durch Vorteile ausgeglichen", sagt der Schulleiter. „Doch die BVO hat diese Vorteile bisher nicht benannt. Ich hab den Eindruck, die wollen abwarten, wie es wirklich läuft."

 

Nun hat er gemeinsam mit der Schulpflegschaft und der Schülervertretung den Verkehrsverbund OWL um Hilfe gebeten. „Wenn der Fahrplan so bleibt, müssen wir uns an die Bezirksregierung Detmold wenden."

 

Am 8. Januar ist der erste Schultag und viele Eltern wissen nicht Bescheid über die vermeintlich fehlenden Busse. Den Elternbrief - verteilt am letzten Schultag vor Weihnachten - haben nicht alle erhalten. Das wird chaotisch, befürchtet Petra Stockhecke.

 

HINTERGRUND
Grundanforderungen nicht erfüllt


An den Verkehrsverbund OWL, der die Neuvergabe der Buslinien genehmigt hat, schreibt Schulleiter Josef Scheele-von Alven: „Nach unseren Informationen hat die BVO die neuen Fahrpläne primär betriebswirtschaftlich optimiert, ohne an die Fahrgäste zu denken. Die BVO könne durch die unrealistische Straffung der Fahrzeiten bei Wegfall von Haltestellen die Zahl der ständig eingesetzten Busse auf der Linie 88 von drei auf zwei reduzieren. Das mag betriebswirtschaftlich sinnvoll sein, unterschreitet im Ergebnis aber die Grundanforderungen an einen öffentlichen Personennahverkehr. Besonders absurd erscheint die Abschaffung der Haltestelle Schulzentrum, die nicht nur für die Schulen, sondern auch für die umliegende Wohnbevölkerung wichtig ist."


Die Neuausschreibung von Buslinien gewinnt meist jenes Unternehmen, das kostengünstiger arbeiten kann als andere. Man kann also annehmen, dass die BVO bewusst unrealistische Vorgaben zugrunde legt, um wirtschaftlicher zu sein.