Plädoyer eines militanten Europäers

 

Ideen für Theaterprojekt: CDU-Bundespolitiker Ralph Brinkhaus diskutiert mit Gymnasiasten


Für ein außergewöhnliches Theaterprojekt haben sich 17 Steinhagener Gymnasiasten Hilfe in der Politik geholt. CDU-Bundestagsabgeordneter Ralph Brinkhaus sprach mit dem Literaturkurs der Jahrgangsstufe elf über Europa.

 

EUprojektEuropa haben sie in die Mitte genommen — zumindest symbolisch mit der Flagge: Die Schüler des Literaturkurses, Schulleiter Josef Scheele-von Alven (links hinten) und Lehrer Reinhard Lauströer (sitzend, 8. von links) begrüßten Ralph Brinkhaus zum Europa-Dialog. Foto: Bluhm-Weinhold

 

»Ich bin in den vergangenen drei Jahren zu einem militanten Europäer gereift«, leitete Ralph Brinkhaus, der seit 2009 im Bundestags sitzt, den Nachmittag ein. Seine Gesprächspartner waren skeptisch: »Wer findet, dass Deutschland mehr Geld für Europa ausgeben und mehr Souveränität an Europa abgeben sollte?« Bis auf Schulleiter Josef Scheele-von Alven meldete sich — niemand. In anderthalb Stunden wolle er diese Meinung ändern, versprach Ralph Brinkhaus. An ihm, dem Moderator des Nachmittags, kann es nicht gelegen haben, wenn am Ende jemand nicht von Europa überzeugt gewesen sein sollte: Denn der Politiker präsentierte das komplexe Thema locker und informativ und stellte sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler.

 

Anschaulich machte der Bundespolitiker aus Gütersloh, der in Berlin unter anderem im Finanzausschuss mitarbeitet, den Jugendlichen das Geflecht der Staaten rund um den Globus klar. »Und wir sitzen mittendrin in diesem wirtschaftlichen und politischen Netzwerk. Wir können uns aber auch wie die Spinne in ihrem Netz bewegen«, so Brinkhaus. Aber: Wenn es jemandem in diesem Netzwerk schlecht geht und er eine Grippe hat, dann hustet eben auch Deutschland. Und wenn uns dieser Grippe-Kranke näher steht, wie Griechenland das tut, dann wird der Husten auch stärker.

 

Trotzdem sei die Vernetzung toll, denn sie biete nicht nur der Wirtschaft Vorteile, sondern auch den Steinhagener Gymnasiasten etwa durch den Austausch.

 

Was ist denn nun die Staatsschuldenkrise, wollte Ralph Brinkhaus wissen. Die Elftklässler lieferten eine gute Analyse. Und diese führte Ralph Brinkhaus zu seiner wohl wichtigsten Botschaft: »Vor 2010, bevor die Schwierigkeiten Griechenlands offenbar wurden, haben sich die Staaten vertraut. Das ist verloren gegangen.«
Strukturreformen in den schwachen Ländern Europas hält er für dringend notwendig, aber in einem Maße, dass sie die Menschen nicht überforderten. Das führe zu Ressentiments, und das sei gefährlich.

 

Eine Aufnahme der Türkei in die EU, das war eine Frage der Schüler, lehnt er ab. »Die EU ist in den vergangenen Jahren so stark expandiert, dass sie sich jetzt erst konsolidieren muss.«

 

Das Projekt

 

Der Literaturkurs unter Leitung von Deutsch- und Englischlehrer Reinhard Lauströer gehört zu 14 ausgewählten Theatergruppen der Europaschulen in NRW, die an einem vom Europaministerium initiierten Theaterprojekt teilnehmen. Dabei steht ein Stück über die EU, ihre Krisen, Sorgen und Befindlichkeiten, im Mittelpunkt, das die Berliner Autorin und Schauspielerin Katja Hensel schreibt. Sie hat sich Ende September in Köln mit Delegationen der 14 Schulen zu einem Ideen-Workshop getroffen, den sie als Ausgangspunkt für ihr Theaterstück nimmt Sieben Jugendliche aus Steinhagen w aren dabei.


Anfang Dezember soll die Textvorlage fertig sein und den Schulen vorgestellt werden. Das einzigartige daran: Jede Schule darf das Stück mit eigenen Ideen anreichern und selbst inszenieren. Um etwas »Pfiffiges«, so Lauströer, daraus zu machen, nahmen die Schüler gestern »Nachhilfe« in der großen Politik.


Siegel01

Siegel02

Siegel03

Siegel04