Westfalen-Blatt

Zehn Jahre Gymnasium: Die Naturwissenschaften räumen Preise ab — und produzieren Strom

Welche Schule produziert schon selbst Strom? Das Steinhagener Gymnasium tut es. Seit fast einem Jahr ist die Photovoltaikanlage auf dem Dach in Betrieb. Und wer weiß, vielleicht drehen sich demnächst auch Windräder an der Schule. Der Forscherdrang von Schülern und Lehrern kennt keine Grenzen — das ist jedenfalls eine gesicherte Erkenntnis aus zehn Jahren »SteinGy«.

 

So fing es an 2005 mit »Jugend forscht«: Julian Wegmann, Jan Landwehr und Philipp Werner (von links) sahnten mit ihrem Korken-Projekt auch auf Landesebene den ersten Preis ab - und fingen selbst Feuer für die weitere naturwissenschaftliche Forschung.         Fotos: Annemarie Bluhm-Weinhold

Die Naturwissenschaften sind ein ganz großes Pfund, mit dem das Gymnasium wuchern kann. Aber in einer Schule, die auf Nachhaltigkeit schon in ihrer Bau-weise setzt - da gibt es den Teich oder die grünen Dächer -, müssen ja schon fast zwangsläufig erfolgreiche Naturwissenschaftler heranwachsen. Natürlich war auch dieser Zweig ein ganz zartes Pflänzchen, als der erste Jahrgang 2001 startete. Aber schon bald etablierten sich Projekte wie die Bio-AG »Der Natur auf der Spur« und die »Knoff-Hoff-AG«.

Gerade die jungen Physiker machten schon 2003 mit den ersten selbstgebauten Raketen, bestehend aus einer Colaflasche, einem Fahrradventil und einem Korken, von sich reden und landete 2005 den ersten großen Erfolg: Philipp Werner, Jan Landwehr und Julian Wegmann holten einen ersten Preis bei »Schüler experimentieren« auf Regionalebene — und dann auch auf Landesebene.

Für »Jugend forscht« waren die drei Sechst- und Siebtklässler einfach noch zu jung. Aber sie waren Wegbereiter für eine außerordentliche Aktivität des Gymnasiums in der naturwissenschaftlichen For-schung. Was da in der »Jugend forscht«-AG (Jufo) hinter Physikraumtüren ausgetüftelt wurde, hat den Teams des »SteinGy« stets vordere Plätze im renommierten Wettbewerb eingebracht. Gefördert von Lehrern wie Andreas

Frerkes, liefen die experimentierfreudigen Gymnasiasten zur Hochform auf. Systematisch entwickelten sie nicht nur aus der »Jufo«- Arbeit, sondern vor allem aus dem Wahlpflichtkurs »Energie und Um-welt« heraus ein Projekt mit dem Titel »Keep an eye an energy«. Es geht um: Energiesparen im Alltag, um so einfache Dinge wie Stoßlüften, um den Stromverbrauch von Geräten im Standby-Modus und um die Frage, ob man einen Backofen vorheizen muss oder nicht. Das Ganze wurde wissenschaftlich untermauert, zusammengefasst in einem Reader und medial aufbereitet etwa in einem Streitgespräch und als Märchen. Müßig zu erwähnen, dass natürlich Energiesparen auch im Schul-alltag propagiert wird.

Im Mai 2009 gab es dafür die Goldmedaille: Das Steinhagener Gymnasium gewann einen hochdotierten Wettbewerb des ZDF und des Bundesumweltministeriums zum Klimaschutz an Schulen und wurde »Energiesparmeister in Gold«. Dafür sendete das Fernsehen aus der Schule, und es gab eine dicke Siegprämie.

Diese hat das Gymnasium inzwischen — wie zahlreiche weitere Preise — gut investiert: in die Photovoltaikanlage auf dem Dach. Sie ist das bisher ehrgeizigste Projekt der Schule. 90 000 Euro waren für die 30 000-Watt-Anlage aufzubringen. 20 000 Euro kommen aus eigenen Mitteln der Schule, 70 000 Euro stellte die Volksbank an Krediten zur Verfügung.

Mit kleinen Solarzellen zu großen Erfolgen: Andreas Frerkes mit den »Einstein«-Preisträgern (von links) Lukas Gleisberg, Lukas Poppenborg, Sebastian Birke und Nicole Koczorek.

Die Schule denkt in die Zukunft. Fachbereichleiter Andreas Frerkes betont die Bedeutung der Naturwissenschaften für die Wirtschaft, speziell auch den Standort OWL: »Wir brauchen Ingenieure«, weiß er. Und da will die Schule das Ihre tun. Da passt der hoch dotierte Nachwuchsförderpreis »Einstein OWL« gut ins Bild: Diesen bekamen im Juni 2010 Sebastian Birke, Lukas Gleisberg, Nicole Koczorek und Lukas Poppenborg für ihr elektrochemisches Solarprojekt »Concentra«, mit dem sie auch bei »Jugend forscht« gut abschnitten.

Über diesen Glanzlichtern darf natürlich die tägliche Arbeit im Bio-, Chemie-, Physik-, Mathe- und Informatikunterricht nicht vergessen werden. Auch muss man die zahlreichen weiteren Erfolge in diversen naturwissenschaftlichen Wettbewerben erwähnen ebenso wie den Chemie-Leistungskurs, Projekte wie das »Teutolab« der Chemiker, das selbst entwickelte Gütesiegel für Wohngebäudeeffizienz und und und. Die Naturwissenschaften sind eine sehr starke Säule des „SteinGy".


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