Westfalen-Blatt

Gymnasiumleiter Josef Scheele-von Alven über Entwicklungen seit 2001 und Überzeugungsarbeit beim Ganztag

Von Annemarie Bluhm-Weinhold

Steinhagen (VVB). Zehn Jahre Gymnasium — und zehn Jahre ist er der Leiter dieser Schule: Josef Scheele-von Alven. Mit 95 Sextanern und fünf Kollegen fing er 2001 im Container auf der Wiese am Hallenbad an. Heute sind es 1000 Schüler und mehr als 60 Lehrer. Die ersten zwei Jahr-gänge sind flügge, aus G 9 ist G 8 geworden, und das »SteinGy« hat den Ganztag. Rückblick und Ausblick — im Interview mit dem Schulleiter.

Wie sieht Ihre Bilanz nach zehn Jahren aus?

Josef Scheele-von Alven: Die Aufbauphase ist beendet, die Schule hat sich etabliert. Das heißt aber nicht, dass auch die Entwicklung zu Ende ist. Gerade im Ganztag, der jetzt im dritten Jahr läuft, sind wir mittendrin. Andererseits hat sich vieles gesetzt und ist Tradition geworden.

Mit welchem Anspruch sind Sie damals an den Aufbau der Schule gegangen? Und hat dieser sich erfüllt?

Josef Scheele-von Alven: Die Schule hat ein klares Profil. Es hat sich schon gezeigt, dass man hier nicht nur das Abitur machen kann, sondern auch den Schulalltag mit vielfältigen Aktivitäten, wie Musik, Naturwissenschaften, Sport, Konzerte, dem internationalen Austausch, füllen kann. Wir sind eine ganz lebendige Schule geworden.

Haben Sie sich das damals so gedacht, als Sie hier anfingen?

Josef Scheele-von Alven: Die Aufgabe, eine Schule aufzubauen, bietet viele Möglichkeiten, und der Standort hier war vielversprechend. Das Profil war anfangs nicht festgelegt. In Brackwede hatte ich als stellvertretender Schul-leiter Erfahrungen mit der Entwicklung eines Sportprofils gesammelt. Aber ein solches Profil ist auch etwas vom Zufall abhängig und von den Kollegen, die man gewinnen kann. Zu nennen sind da für die Anfangszeit sicherlich Christa Wille-Möller und die Musik, Reinhard Lauströer und die Sprachen sowie Matthias Mohrhoff und der Sport.

Welche Höhepunkte würden Sie aus zehn Jahren Steinhagener Gymnasium nennen?

Josef Scheele-von Alven: Da sind sicherlich immer die Feierlichkeiten zur Fertigstellung der Gebäude. Auch das Europafest mit Feuerwerk im Oktober 2008 ist unvergessen. Die Energiespar-meister-Ehrung und eine Sendung des ZDF aus der Schule gehört dazu. Ebenso wie auch die Genehmigung des Ganztagsbetriebs.

Die sogenannte WG-Küche im Lehrerzimmer gehört zu den Lieblingsplätzen von Josef Scheele-von Alven (links). Sie sei so kommunikativ, sagt der Schulleiter. Und das finden die Kollegen Daniel Burger und Wolfgang Schulte (rechts) auch. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Der Ganztag ist ein gutes Stichwort. G 8 ein weiteres. Waren das besondere Schwierigkeiten oder Herausforderungen? Welche wären noch zu nennen?

Josef Scheele-von Alven: G 8 hat das Gymnasium mehr verändert, als diejenigen gedacht haben, die es damals beschlossen haben. Unsere Antwort auf G 8 ist der Ganztag. Denn es ergab sich die Frage, wie man die besonderen Angebote des Profils mit dem Nachmittagsunterricht verbinden konnte. Das haben wir gelöst, auch wenn einige Schüler zum Teil bis in den frühen Abend in der Schule sind. Wir hatten aber auch ein Stück Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn ohne G 8 wären die Eltern von Gymnasiasten gar nicht auf die Idee des Ganztagsbetriebs gekommen. Inzwischen wird der Ganztag nicht mehr so kontrovers diskutiert: Es gibt ein neues Bild von Gesellschaft und Familie, und damit wird die Erziehungsaufgabe größer, der sich auch das Gymnasium stellen muss.

G 8 hat sich im Wesentlichen eingespielt, wir müssen noch nachjustieren. Die Herausforderung ist langfristig, den Unterricht anders zu organisieren, etwa alle Übungsphasen in den Unterricht zu bringen. Das heißt: keine Hausaufgaben mehr nach 15.30 Uhr. Auch muss man mehr neue, individuelle Lernwege schaffen. Das geht nicht alles in einem Jahr. Aber wir haben erreicht, dass G 8 nicht auf dem Rücken der Schüler ausgetragen wird. Für die Lehrer bedeutet die neue Struktur, dass sie länger in der Schule sind, mehr Springstunden haben. Das ist nicht ganz einfach, wenn man selbst Kinder zu Hause hat.

Wenn Sie zehn Jahre weiter : blicken: Wo steht das Gymnasium dann? Welche Herausforderungen sehen Sie in der Zukunft?

Josef Scheele-von Alven: Die Schule hat ihr Profil gefunden und hat einen ausgezeichneten Ruf. Den wollen wir natürlich behalten, die Profile haben sich bewährt, müssen aber auch in Zukunft gepflegt und angepasst und vor allem personell abgesichert werden. Was uns bisher nicht gelungen ist, das ist, bei der Anmeldung den Anteil der Kinder mit ausländischer Herkunft zu erhöhen. Ihre Zahl muss größer werden, wenn man den Anteil, den sie an der Gesamtbevölkerung Steinhagens haben, betrachtet. Hier liegt ein Schatz, der noch gehoben werden muss. Wir haben gute Fördermöglichkeiten entwickelt und wünschen uns, dass man uns da einfach noch mehr Vertrauen entgegenbringt.