Westfalen-Blatt

Serie zum zehnjährigen Bestehen des Gymnasiums — Fremdsprachen machen Schüler fit für die Zukunft

Mit drei Klassen und einem Englischlehrer hat 2001 alles angefangen. Heute werden am Steinhagener Gymnasium neben Englisch auch Französisch, Latein, Spanisch und Italienisch gelehrt, bilingualer Unterricht ist fest etabliert.

 

Europa und seine Sprachen sind ein Schwerpunkt am Steinhagener Gymnasium: Das Foto zeigt Reinhard Lauströer (Zweiter von rechts) mit Schülern der 11 a im Oktober 2008. Seitdem ist das Gymnasium als Europaschule zertifiziert. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Es gibt Partnerschulen in Eng-land, Frankreich und den USA sowie Kontakte nach Woerden und Fivizzano, und »Comenius«, das EU-Bildungsprogramm, hat Steinhagen weiter internationale Kontakte gebracht. Seit 2008 ist das »SteinGy« zertifizierte Europaschule. Wer hätte das gedacht vor zehn Jahren? Englischlehrer Reinhard Lauströer jedenfalls nicht, sagt er. 2001 war er alleine die Fachschaft Englisch - heute sind sie dort 18. Aber damals, 2001, an einem trüben Winternachmittag, da kam dem heute 61-Jährigen vielleicht eine Ahnung. Denn mit seinem Schulleiter Josef Scheele-von Alven entwickelte er damals Gedankenspiele, wie man denn einen europäischen Schwerpunkt etablieren könnte an der neuen Schule. »Wir können uns ja nicht verschließen vor der Entwicklung des 21. Jahrhunderts, vor der Europäisierung und Globalisierung, an der auch immer mehr osteuropäische Staaten teilhaben. Wir müssen die Schüler öffnen für Europa«, sagt Reinhard Lauströer im WB-Gespräch. Entstanden ist daraus das Europaprofil der Schule.

Heute ist Lauströer nach wie vor der Motor aller Aktivitäten in diesem Schwerpunkt - Koordinator heißt das offiziell. Dank des Europaprofils hat das »SteinGy« einen festen Platz in der Mitte Europas. Zuerst war es die AG, in der die Schüler von Klasse sieben an zwei Stunden Englisch oder Französisch mehr pro Woche lernten. Das aber sehr motiviert. »Wir hatten auch das Glück, dass Französisch als zweite Fremdsprache neben Latein immer gut nachgefragt war - und ist«, so Lauströer.

Mit der Schule in Villeparisis in der Nähe von Paris entstand die erste feste Schulpartnerschaft -ein Kontakt zu einer Schule in der Nähe von London hatte sich leider schnell zerschlagen. Französisch wurde der wesentliche Baustein des Europaprofils. Und dann kam »Comenius«. Nach dem frühneu-zeitlichen Theologen und Pädagogen ist ein Bildungsprogramm benannt, das die EU mit erheblichen Mitteln fördert. Und Steinhagen war ein Partner in einem internationalen Bildungsprojekt, an dem auch eine Highschool aus dem englischen Lancaster, Schulen aus Zypern, Polen und Spanien beteiligt waren. In schöner Regelmäßigkeit reisten Schülerinnen und Schüler aus der Europa-Klasse quer durch Europa zu den Arbeitstreffen. 2006 begann das erste Projekt, inzwischen ist auch das zweite gelaufen. Aber der dritte Antrag 2011 scheiterte — und zwar an der Finanzschwäche der internationalen Partner. »2012 werden wir aber wieder einen Vorstoß wagen«, sagt Reinhard Lauströer, der inzwischen nicht nur um zahlreiche Kontakte, sondern auch um einige Erfahrungen in europäischer Bürokratie reicher ist. Bisheriger Höhepunkt seiner europäischen Laufbahn dürfte das Comenius-Treffen im Oktober 2008 in Steinhagen gewesen sein. Da waren die Partner alle da.

»Comenius« ist das eine. Aber da ist noch viel mehr im Fremdsprachen-Schwerpunkt der Schule. Da ist der Lateinunterricht, aus dem inzwischen eine Italienisch-AG und der Austausch mit den Steinhagener Partnerstadt Fivizzano hervorgegangen ist — und übrigens ist auch der Kontakt zum Minkema College in der holländischen Partnerstadt Woerden an die Fachschaft Latein gekoppelt.

Zu erwähnen sind auch die externen Examina, der Austausch mit den Partnerschulen in Frankreich, in Hexham in Nordengland und in Fort Smith im US-Bundesstaat Arkansas sowie der Praktikumsaustausch. Und dann gibt es seit 2006 auch den bilingualen Zweig mit englischsprachigen Unterricht in Erdkunde, Geschichte und Neuerdings Biologie. Nicht zuletzt diesem zweisprachigen Unterricht verdankt das Gymnasium die Auszeichnung als Europaschule. 2008 erfolgte die Zertifizierung.

Was soll denn noch kommen nach diesen Erfolgen? »Hoffentlich das »CertiLingua-Label«, sagt Reinhard Lauströer. Es ist ein Zertifikat des Landes, das jeder Schüler erwerben kann. »Allerdings müssen wir dafür unseren bilingualen Zweig bis zum Abitur führen«, so Lauströer. 2014 könnte es also soweit sein.