Westfalen-Blatt

Der Ganztag braucht Raum: Arbeiten für den Anbau am Gymnasium haben begonnen 

 

Der Rundbau scheint über der Wiese hinter dem Cronsbach zu schweben. Und so kommt das Steinhagener Gymnasium auch zu seinen Spitznamen: UFO heißt es im Sprachgebrauch der Bürger und des benachbarten Schulzentrums. Für die Schülerinnen und Schüler selbst ist es einfach das »SteinGy« ein Ort zum Lernen und zum Leben, der sich in den kommenden Monaten erheblich verändert. 

 

ImageAußergewöhnlicher Bau: Das Steinhagener Gymnasium gehört zu den schönsten Schulen in NRW. Funktional ist es überdies und umweltfreundlich gestaltet. Der Teich ist eigentlich ein Regenrückhaltebecken, gespeist mit dem Wasser der Dächer und Pflasterbereiche. Fotos: Bluhm Weinhold

Denn am Gymnasium wird wieder gebaut. Für 1,07 Millionen Euro wird der Ostflügel der Schule um einen 50 Meter langen eingeschossigen Anbau erweitert, der zwei Räume in Klassengröße, einen Raum für die Lehrervorbereitung und drei sogenannte Lernstudios umfasst. Noch nicht einmal sechs Jahre sind seit der Einweihung des Gebäudes vergangen doch das Gymnasium muss sich auf neue Gegebenheiten und Anforderungen einstellen: auf den Ganztagsbetrieb. Und das erfordert eine neue Raumkonzeption.

»Eine Schule ist heute nicht mehr nur Lernort, sondern auch Lebensort«, sagte Bürgermeister Klaus Besser unlängst in Essen beim Gemeindekongress des Städte und Gemeindebundes, wo er ein Referat über die Architektur der außergewöhnlichen Schule hielt, die 2008 sogar mit dem NRW Schulbaupreis ausgezeichnet worden ist. Doch Optik ist nicht alles, und so verbirgt sich auch hinter dem sternenförmigen Baukörper des »SteinGy« Funktionalität: So seien die unterschiedlichen Bereiche Sek. I und II, naturwissenschaftliche Räume, Verwaltung, Sport klar getrennt, die Orientierung falle durch das zentrale Foyer leicht, so der Bürgermeister.

ImageFür den Anbau wird schon gebaggert. Möglichst störungsfrei sollen die Arbeiten bis zum Sommer bei laufendem Schulbetrieb stattfinden.

Die Schule sei einladend: »Das Gebäude macht auch einem fast 50 Jährigen Lust, wieder zur Schule zu gehen«, sagt Klaus Besser. Das mag zwar mancher der 970 Schüler anders sehen. Doch steht fest: Sie verbringen viel Zeit in der Schule. Und deshalb muss ihnen diese auch ein Zuhause sein. Sie muss neben den Klassen auch Aufenthaltsräume bieten, in die man sich mittags zurückziehen kann, sowie Möglichkeiten, zu spielen oder sich nach dem Essen beim Sport auszutoben. Das ist zwar alles schon möglich, braucht aber, wenn mit jeder neuen fünften Klasse immer mehr Schüler in den Ganztag eingebunden sind, mehr Raum.

Dafür werden die »Inseln«, die einzelnen Bereiche der jeweiligen Altersstufen, weiter ausgebaut. Denn auch die Lehrer sollen nun »inhaltlich, pädagogisch und räumlich näher bei den Schülern sein«, wie Schulleiter Josef Scheele-¬von Alven sagt. Dafür werden der Unterstufen Finger, der Flügel für die Klassen sieben und acht sowie der Bereich der Stufe neun im ersten Stock jeweils unter anderem um einen Lehrerarbeitsraum erweitert. Dass sich Lehrer und Schüler heute besser kennen, sei ein großes Pfund im Ganztagsbetrieb, so Scheele von Alven: »So nimmt der Lehrer den Schüler in seiner ganzen Persönlichkeit wahr. Denn Schüler können viel mehr als sie im Unterricht zeigen.«

ImageDie schräge Fensterfront des Foyers gehört zu den architektonischen Höhepunkten der Schule. Aus Schülersicht ist sie aber recht unpraktisch.

Daneben werden auf allen »Inseln« Räume für die Einzelförderung wie die Lernstudios in dem um den Anbau erweiterten Flügel der Klassen sieben und acht sowie weitere Ruhezonen geschaffen.

Dafür wird etwa die UnterstufenBibliothek, das Leserattennest, um einen Schachraum vergrößert. Und der Flügel der Klassen sieben und acht, der den Anbau erhält, bekommt dann mit den Lernstudios gute Möglichkeiten für die Förderung Einzelner.

»Wir haben das Glück, dass die Grundkonzeption des Gebäudes einen Anbau zulässt, der sich nicht nur optisch, sondern auch organisch in den Schulbetrieb einfügt«, lobt der Schulleiter die Essener Architekten Andreas Knirr und Burghard Pittig. Sie hätten bei der Planung vor zehn Jahren Weitblick bewiesen genial, findet er.

SCHÜLERSICHT

ImageInke Retzlaff (18) besucht die Klasse 12 des Gymnasiums und ist derzeit Praktikantin in der WESTFALEN BLATT-Redaktion. Sie schildert, wie die Schüler ihre Schule sehen.

»Das Gebäude wirkt durch seine ungewöhnliche Bauweise sehr offen und einladend, sodass man sich durchaus Wohlfühlen kann. Die kahlen Betonwände waren anfangs etwas abschreckend, da uns nicht erlaubt ist, sie zu bemalen oder zu bekleben. Es wurden andere Möglichkeiten gefunden, Kunstobjekte auszustellen, so dass die Schule farbenfroh und belebt wirkt. Die Architektur ist auch nicht unbedingt praktisch. Die Glasschräge macht es Inke Retzlaff zwar interessant, nimmt aber viel Raum ein, so dass etwa bei Veranstaltungen das Publikum gedrängt unter dieser Konstruktion sitzt.

Von einem Neubau hätte ich außerdem erwartet, dass ausreichend Lehr und Aufenthaltsräume vorhanden sind und die Klassenräume genug Platz für die teilweise sehr großen Klassen bieten. Schüler und Lehrer haben sich mittlerweile mit den Besonderheiten des Baus arrangiert, und irgendwie macht die außergewöhnliche Architektur den Charme des Gymnasiums aus.«