Westfalen-Blatt

Erster Abi Jahrgang steckt in heißer Lernphase - Kristin Deeke schwört auf Müsli und Memo-Zettel

 

Die Ferien fallen aus. Statt Faulenzen in der Frühlingssonne ist Pauken angesagt für Steinhagens erste Abiturienten. 89 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 stecken auch jetzt über Ostern die Nasen tief in die Bücher: noch zwölf Tage bis zur ersten Klausur.

 

ImageSie sind seit Jahren eine eingeschworene Lern-Gemeinschaft: Kristin Deeke (rechts) und Caroline Milz büffeln Vektoren-Rechnung und analytische Geometrie für die Mathe Klausur.Foto: Bluhm Weinhold

Aufgeregt? »Geht so«, sagt Kristin Deeke. Die 19 Jährige, eine von vier Abiturienten, die das WESTFALEN BLATT in einer Serie durch ihre Schulabschlussphase begleitet, kann der letzten großen Hürde ganz gelassen entgegen sehen. Die Vorabi Klausuren Anfang März hat sie mit guten und sehr guten Noten hinter sich gebracht und dafür schon einen Großteil des Stoffpensums gebüffelt. Gerade in Mathe, ihrem dritten Abi Fach: »Da sind die Vorgaben gar nicht eingeschränkt. Da kann alles kommen – von Matritzen über Vektoren bis zur analytischen Geometrie«, sagt sie. Aber: »Man hat sich vorher unheimlich viel Stress gemacht und stellt im Nachhinein fest, dass die Aufgaben gar nicht so schwer waren«, sagt auch Freundin Caroline Milz.

Mit ihr lernt Kristin häufig gemeinsam eine Methode, die sich schon seit Jahren bewährt. Die beiden Mädchen hatten dienstags vor dem Matheunterricht immer eine Freistunde, in der sie sich zusammengesetzt haben, um noch einmal Hausaufgaben durchzusprechen oder sich auf die Arbeiten vorzubereiten. Ein eingespieltes Team also, das sich auch jetzt gemeinsam über die Wiederholungszettel von Mathe Lehrerin Sonja Crnjak hermacht. Ob sie richtig gerechnet haben, sehen sie in dieser Woche, wenn die Lehrerin die Lösungen auf den Server des Gymnasiums stellt. Apropos neue Medien: Welche Rolle spielen Computer und Internet für die beiden Mädchen? »Sie sind schon von Vorteil«, sind sich die beiden einig. So kommen sie an die Abi Klausuren der vergangenen drei Jahre, die die Schule auf ihrer Homepage stehen hat, und so laden sie auch von der Seite des Schulministeriums weitere Abi-Vorgaben samt Tipps für die Vorbereitung herunter.

Caroline Milz hat beispielsweise mit den alten Klausuren viel für ihre Textanalysen in Deutsch und Französisch gearbeitet. Wenn sich die 19 Jährige ein Thema wünschen dürfte für die Deutsch-Klausur, dann wären das BarockGedichte. Die analysiert sie am liebsten. Ihre Freundin Kristin hätte auch nichts dagegen, wenn sie in der Englisch Arbeit wieder eine politische Rede genauer unter die Lupe nehmen dürfte: Mit Äußerungen des UNO-Generalsekretärs Ban Ki Moon hat sie in der Vorabi Klausur jedenfalls gute Erfahrungen gemacht.

Doch letztlich bleibt es auch für die Lehrer eine große Überraschung bis zum Gongschlag am 19. April, welche Themen sie aus den versiegelten Umschlägen für das Zentral Abi ziehen. Bis dahin bleibt Kristin nur: Aktenordner wälzen. Diese hat sie inzwischen überall verstreut im eigenen Zimmer und Wohnzimmer der Familie liegen, schaut die Aufzeichnungen der vergangenen drei Jahre durch und schreibt Zusammenfassungen »so kann ich mir das alles am besten merken«. Die beste Vorbereitung, findet sie, sei aber doch, wenn man immer schon regelmäßig seine Hausaufgaben gemacht hat. »Dann hat man doch alles beisammen«, sagt sie.

Freundin Caro konnte anhand ihrer alten Unterlagen beispielsweise ganz fix die Epochen der deutschen Literatur rekapitulieren und hat sie nun sie auf kleinen Zetteln überall ins Zimmer gepinnt. Zum Verinnerlichen. Mit Barock und Romantik steht sie morgens auf und geht abends zu Bett. Und dazwischen? Nein, durchgepaukt wird nicht. »Dazu ist das Wetter viel zu schön«, sagt die Abiturientin. Ebenso wie Kristin lernt sie abends ohnehin am besten: »Wenn man am Spätnachmittag anfängt, hat man locker noch vier Stunden.«

Außerdem: Pauken ist schließlich nicht alles. Auch die körperliche und mentale Vorbereitung sind wichtig. »Ich power mich jetzt beim Sport so richtig aus«, weiß Caroline, wie sie die Konzentration steigern kann. »Ich brauche vor allem ein gutes Frühstück«, sagt Kristin schon im Hinblick auf den übernächsten Montag: Ein ordentliches Müsli im Bauch sollte genug Kraft für gute Gedanken geben egal zu welchem Thema.

UND DANACH?

Was kommt eigentlich nach dem Abi? Kristin Deeke war bislang unschlüssig, wie sie all ihre Talente die sprachlichen, die in Englisch und Französisch Leistungskursen zur Geltung kommen, ebenso wie die mathematischen beruflich unter einen Hut bringt. Die Lösung liegt im dualen Ausbildungssystem der Firma Claas. Der Landmaschinen Gigant bietet der Steinhagenerin ein Studium »Industrial Management« an, das sich zum Teil an der Berufsakademie in Stuttgart, zum anderen (praktischen) Teil in Harsewinkel vollzieht. »Super«, findet Kristin Deeke: Da müsse man nicht nur rechnen können, da würde man auch fremdsprachlich sehr gefördert.

Caroline Milz will erst einmal nicht studieren. Sie beginnt im Sommer eine Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten bei der Barmer GEK.

ZUR SERIE

Erstmals machen Schülerinnen und Schüler in Steinhagen Abitur ein historisches Ereignis und Anlass genug für eine Serie, die in loser Folge bis zu den Sommerferien erscheint. Das WESTFALEN BLATT begleitet vier der insgesamt 89 Absolventen: Kristin Deeke, Alexander Dornbusch, Johannes Metzner und Leonie Stockhecke. Wir blicken ihnen wie heute über die Schulter beim Pauken für die Klausuren, fiebern mit vor den ersten Prüfungen und bei der Verkündung der Ergebnisse am 15. Juni, sind am letzten Schultag und beim Abi Ball dabei und sprechen mit ihnen über Probleme und Perspektiven.