Westfalen-Blatt

Steinhagener Gymnasiasten gewinnen mit Solarprojekt in hochdotiertem Wettbewerb 

 

Ein Genie soll den begabten Nachwuchs motivieren: Niemand geringerer als der große Albert Einstein gibt einem neuen hochdotierten Wettbewerb in OWL seinen Namen. Und zu den Siegern gehört neben den Gymnasien Paderborn und Minden auch Steinhagen. 

 

ImageDie kleinen Solarzellen sind die Grundlage des Projekts und des Erfolges: (von links) Lukas Gleisberg, Lehrer Andreas Frerkes, Lukas Poppenborg, Sebastian Birke und Nicole Koczorek haben mit ihrer Forschungen den »Einstein« Preis gewonnen. Foto: Bluhm Weinhold

Mit ihrem elektrochemischen Solar Projekt » Concentra«, das ihnen unlängst schon die Top Platzierung bei »Jugend forscht« gebracht hat, haben die Zwölftkläss ler Lukas Poppenborg, Lukas Gleisberg, Nicole Koczorek und Sebastian Birke nun auch die Jury des »Einstein OWL« Preises überzeugt (siehe dazu Extra Kasten). Doch egal, ob es am Ende bei der Preisverleihung am Dienstag, 22. Juni, in Detmold ein erster, zweiter oder dritter Platz wird, der Erfolg für das Team, Physiklehrer Andreas Frerkes und das Steinhagener Gymnasium überhaupt ist riesengroß. Denn gegen eine starke Konkurrenz mussten sich hie Zwölftklässler durchsetzen.

Nun haben sie aber auch ein starkes Projekt am Start, das sie seit der Präsentation bei »Jugend forscht« weiterentwickelt haben. Viel Resonanz und Anregungen gab es damals in Herford von Jury und Besuchern. Doch die bahnbre chende Idee kam den Jungforschern selbst und ist eigentlich so einfach: ein Drehgestell, das derzeit noch manuell und demnächst vielleicht mit Motor ihre LinsenSolarzellen Konstruktion immer ideal zur Sonne ausrichtet, so dass die Leistung optimiert wird.

Denn darum geht es, wie exklusiv bereits am 22. Januar berichtet, bei »Concentra«: um Stromerzeugung in Solarzellen mittels Konzentratortechnik. Das heißt konkret: Das Licht wird konzentriert durch eine für kurze Brennweiten besonders geeignete sogenannte Fresnel Linse (1822 vom französischen Physiker Augustin Fresnel erfunden), die vor die Solarzellen gesetzt wird. Dort trifft das Licht auf den Halbleiter und setzt elektrochemisch die Stromerzeugung in Gang dank eines geeigneten Elektrolyten, einer pflanzlichen Gelantine mit dem klingenden Namen »Agar Agar«, die die Schüler bei einer Firma in Australien aufgetan haben und deren roter Farbstoff am effizientesten für die Stromerzeugung ist.

Nun also pusht die passende Sonneneinstrahlung die Leistung der Zellen ein weiteres Mal: »Eine siebzigfache Steigerung der Stromstärke haben wir so erreicht«, sagt Lukas Poppenborg. Der 17 Jährige hat inzwischen eine Facharbeit über das Projekt geschrieben und dafür weitere Messreihen gestartet, die ihm Vergleichswerte etwa mit künstlichen Lichtquellen geliefert haben. Ergebnis: Vor allem Energiesparlampen reduzieren den Wirkungsgrad der Solarzellen erheblich. Das hänge mit dem Lichtspektrum und der Lichtstärke zusammen, sagen die Schüler. An die Sonne kommt eben nichts heran. Andreas Frerkes: »Die elektrochemischen Zellen gieren geradezu nach Licht. Kein Wunder: Die Zellen basieren auf dem Prinzip der Photosynthese, zu der das natürliche Licht der Schlüssel ist.

Das Projekt bietet noch genug Raum für weitere Forschungen und »Jugend forscht 2011«. Das Quartett aus dem Physik Leistungskurs will dafür Fragen wie dieser nachgehen: Zersetzt das Licht bei zu hoher Einstrahlung irgendwann den Farbstoff in der Zelle? Kann man über Filter vor der Fresnel Linse ein Farbspektrum definieren und die ideale Lichtfrequenz für einen op¬timalen Wirkungsgrad finden? Und welche Bedeutung hat, die Temperatur? Im Fokus der Linse wird es jedenfalls so heiß, dass man eine Kerze anzünden kann Lukas Poppenborgs Lederjacke hat jedenfalls bei den Forschungsarbeiten Spuren davongetragen. Und noch etwas anderes hat das Physik Projekt schon gebracht: berufliche Orientierung. So liebäugelt beispielsweise Nicole Koczorek inzwischen tatsächlich mit einem Physikstudium. Und Lukas Puppenborg könnte sich noch Spezielleres, nämlich das Fach Erneuerbare Energien, das es inzwischen gibt, für sein Studium vorstellen.  

Vier Stiftungen - ein Preis

Vier Stiftungen, die Carina Stiftung (Herford), die Familie Osthueshenrich Stiftung (Gütersloh), die Peter Gläsel Stiftung (Detmold) und die Stiftung Studienfonds OWL (Paderborn) haben den »Einstein« Preis ins Leben gerufen, um Schulen auszuzeichnen, die sich durch außergewöhnliche Projekte im Bereich Naturwissenschaften und Technik hervorgetan haben. Ausgestattet ist der Wettbewerb mit Preisgeldern von 12 000 Euro. Dieses Geld wird abgestuft unter den ersten drei Preisträgern verteilt 1500, 1000 und 500 Euro sowie je 1800 Euro Studiengeld für die Mitglieder des Siegerteams, wenn sie sich an einer Hochschule in OWL einschreiben. Doch neben der finanziellen Ausstattung für weitere Forschungen, da sind sich die Steinhagener Finalisten einig, sei auch die Urkunde eines so angesehenen Wettbewerbes eine gute Qualifikation bei der Bewerbung um Studien oder Ausbildungsplätze.

Am kommenden Dienstag ,22. Juni, wird bei der Preisverleihung, die um 17 Uhr in der Hochschule OWL in Detmold stattfindet, die Rangfolge der drei siegreichen Schulen bekannt gegeben. Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl vergibt als Schirmherrin die Preise.  


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