Beim Europatag am Gymnasium debattieren die Jugendlichen leidenschaftlich. Während es bei Umweltthemen kontrovers zur Sache geht, sind sich die Schüler in einer anderen drängenden Frage überraschend einig. Haller Kreisblatt, 07.05.2022.

2022 0507 EuropatagHKEuropatag an der Europaschule: Lehrerin Jutta Bischoff mit den Schülern Lukas Koli (von links), Leo Miller, Marie Beese und Carla Schley Gomez. Während die jüngeren Schüler über Klimaschutz auf EU-Ebene diskutierten, stand für die älteren Jahrgänge der Projekttag ganz im Zeichen des Ukraine-Kriegs. FOTO: Frank Jasper

In den vergangenen zwei Jahren musste der Europatag am Gymnasium coronabedingt ausfallen. Am Freitag fand er wieder statt. Zwei Themen dominierten die Projekte und Gespräche: der Klimawandel und der Krieg in der Ukraine.

So stellten sich die älteren Schülerinnen und Schüler die Frage, ob die Europäische Union eine gemeinsame Armee haben sollte. Wie Politiklehrer Jan Breuer berichtete, wurde diese Frage vor vier Jahren schon einmal debattiert. Und das überaus kontrovers. Damals sei eine Hälfte für und eine Hälfte gegen eine europäische Armee gewesen. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs habe es aber offenbar bei vielen jungen Menschen einen Meinungsumschwung gegeben. „Denn als ich heute zu Beginn des Europatages die Frage nach gemeinsamen Streitkräften der EU erneut gestellt habe, haben sich hundert Prozent dafür ausgesprochen“, sagt Jan Breuer.

In ihren Projektgruppen diskutierten die Jugendlichen unter anderem darüber, wo so eine Armee stationiert werden und welche Auswirkungen ihre Existenz auf das Verhältnis zwischen EU und NATO haben könnte. „Uns geht es darum, dass die Schüler eine Meinung entwickeln und lernen, ihre Standpunkte zu vertreten“, erläuterte Lehrerin Jutta Bischoff den Hintergrund der Debatte.

Dazu eignete sich auch der zweite Themenschwerpunkt hervorragend: der Klimaschutz. „90 Prozent der Klimaschutzgesetze werden auf EU-Ebene verabschiedet“, machte Jutta Bischoff deutlich. Das mache Sinn, schließlich könne ein einzelnes Land wenig erreichen. Die Gymnasiasten diskutierten über teils weitreichende Regeln. Etwa darüber, ob an einem Tag pro Woche der Fleischkonsum verboten werden sollte. „Außerdem beschäftigen wir uns mit Maßnahmen, die dazu beitragen, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verringern“, stellte Lehrerin Diane Thias ein weiteres Thema vor.

Als zertifizierte Europaschule hat sich das Steinhagener Gymnasium Weltoffenheit, Toleranz und die Neugier auf unterschiedliche Kulturen auf die Fahnen geschrieben. „Darüber hinaus bieten wir ein breites Fremdsprachenangebot an und nehmen am Erasmus-Schüleraustausch-Programm teil“, zählt Jutta Bischoff auf. Neben bilingualem Unterricht und der Möglichkeit das Sprachdiplom für Französisch zu erwerben, ist auch der Europatag ein Baustein des Europaprofils des Gymnasiums.

„Den Schüleraustausch mussten wir aufgrund der Pandemie in den vergangenen zwei Jahren aussetzen. Das war für die Schülerinnen und Schüler, die an der Reihe gewesen wären, sehr enttäuschend“, sagt Jutta Bischoff. In dieser Woche seien aber erstmals wieder englische Jugendliche zu Gast am Gymnasium. Der Gegenbesuch erfolge im Laufe des Monats. „Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr auch wieder nach Frankreich fahren können“, so die Pädagogin.