(Westfalenblatt) Das Steinhagener Gymnasium hat sich erneut im naturwissenschaftlich-technischen Bereich auf oberstem Niveau etabliert: Gerade ist die Schule als MINT-EC-Schule rezertifiziert worden und bleibt bis 2024 dem gleichnamigen Netzwerk angeschlossen

– das ist eine Exzellenz-Auszeichnung, die für Schülerinnen und Schülern besondere Vorteile haben sollte. Andreas Frerkes, MINT-Koordinator am SteinGy, vergleicht das MINT-EC-Netzwerk augenzwinkernd mit der „Champions League“.

Nachweise etwa über das MINT-Konzept der Schule, seine Weiterentwicklung, über Netzwerks- und Öffentlichkeitsarbeit waren für die Rezertifizierung zu erbringen: „Es ist ein unglaublich aufwendiges Verfahren. Wir freuen uns einfach über den Erfolg“, sagt Schulleiter Stefan Binder im Online-Pressegespräch.

Wie exzellent die MINT-Fächer Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik im SteinGy gelebt werden, das macht Andreas Frerkes gemeinsam mit vier Schülerinnen deutlich. „MINT ist am SteinGy Mädchensache“, sagt er. Das ist es zwar nicht – aber laut Frerkes liegt der weibliche Anteil in den MINT-Fächern am SteinGy bei 50 Prozent. Das ist allemal überdurchschnittlich.

Und 100 Prozent weiblich ist in jedem Fall diesmal der Beitrag des Steinhagener Gymnasiums bei „Jugend forscht“. Der Regionalwettbewerb 2021 ist rein digital. Statt in die Sparkasse Herford geht es mit den Projekten zu Präsentation und Jurygespräch auf die virtuelle Bühne. Vier Steinhagener Jungforscherinnen sind dort mit zwei Projekten dabei.

Finja Diestelkamp und Michelle Immel aus der 8b stellen ihr Smart Home- Projekt vor. „Wir wollten wissen, wie Smart-Home-Systeme aufgebaut sind“, sagt Finja. Sie studierten „Alexa“, nahmen zentrale Steuereinheiten wie Ikea Gateway und Philips Hue Bridge auseinander, experimentierten mit Platinen und Modulen und bauten ihr eigenes Funksenor-System: Whaams heißt es – Whireless Home Adventure Activity Management System.

Mit Whaams kann man Lampen steuern, und auch der Fensterkontakt ist schon fertig, muss aber noch programmiert werden. Für die beiden Forscherinnen der größte Vorteil: „Man kann ein Haus von außen überwachen. Dann ist auch kein Fenster mehr offen, wenn die Heizung läuft. Das spart Kosten.“ Nachteile sind die Kosten der Systeme, wichtig ist der Datenschutz.

Aus dem Bereich Biologie, genauer gesagt: der Neurobiologie, stammt das „Pubertäts“-Projekt der Q1-Schülerinnen Lisa Rahe und Kim Jule Brinkmann. Die beiden Abiturientinnen erforschen die Veränderungen, die die Pubertät im Gehirn auslöst. Dabei geht es weniger um die emotionalen Befindlichkeiten Jugendlicher, als vielmehr um bleibende Fähigkeiten – beispielsweise entwickelt sich das abstrakte Denken. Während es bei Kleinkinder um die Vielzahl der Impulse geht, wird das Gehirn Pubertierender leistungsfähiger, weil Nervenverbindungen ausgebaut werden.

Gehirnforschung ist zunächst jede Menge Recherche. Aber auch empirische Arbeit haben die beiden geleistet, einen Fragebogen entwickelt und Mitschüler aus der der siebten und achten Klasse Aufgaben zum räumlichen Denken absolvieren lassen. Die Kontrollgruppe aus der Grundschule fehlt durch den Shutdown zwar noch. Die Schülerinnen hoffen aber, den Fragebogen mit ins Homeschooling geben zu können.

„Etwas Neues hört die Jury im Gespräch immer gerne“, weiß Andreas Frerkes. Denn die Arbeiten für „Jugend forscht“ sind längst hochgeladen. Aber ihr Projekt wird die beiden Mädchen auch ins Abi als fünftes Fach begleiten – MINT EC macht‘s möglich. Und das macht sich später gut bei der Job-Suche.

Die MINT-Förderung im SteinGy ist interdisziplinär angelegt. In der Mittelstufe gibt es das Galileo-Profil, in der Q1 den Kurs „Energie und Zukunft“. MINT wird zudem „ganzheitlich“ verstanden, ist allgegenwärtig auch außerhalb des Unterrichts. In Chats etwa. „Und auch in der Pause kann man im Physikraum einfach vorbeikommen und nach Platinen suchen“, sagt Michelle.

Etwa 300 Schulen aus ganz Deutschland gehören MINT-EC, dem Verein mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center an Schulen e. V., an. Initiiert von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), beschirmt von der Kultusministerkonferenz, erhalten Schulen Förderung aus einem Netzwerk von Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Verbänden. Die Stärkung der MINT-Fächer ist das Ziel aller Akteure.


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