Gymnasiasten setzen sich mit Flucht und Vertreibung auseinander                                                                                                    Westfalen-Blatt, 17.01.20

Spätestens seit Beginn der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 ist die Aufnahme von Schutzsuchenden und Migranten in der Bundesrepublik wieder ein viel diskutiertes Thema, das regelmäßig in den Medien auftaucht und zu polarisieren scheint. Entwicklungen, die der WP2-Kurs (WP = Wahlpflichtfach) des Steinhagener Gymnasiums zum Anlass genommen hat, um unter dem Motto „Meine, deine, unsere Heimat – Flucht und Vertreibung damals und heute“ einen Themenabend zu konzipieren, der sich auf vielfältige Weise mit Fluchtgeschichten unterschiedlicher Generationen auseinandersetzt.

Am Mittwochabend war es nun soweit. Nach der Begrüßung durch die Kursleiterinnen Kerstin Dammann und Beate Selhoff sowie dem eingespielten Lied „Es gibt Grenzen“ von Sängerin Dota Kehr begann das Programm mit dem Vortrag „Von Bagdad nach Steinhagen“: Diese Geschichte eines jungen Irakers haben Linja Redecker, Hannah Westerhoff, Isabell Wiernik und Lynn Jungmann sorgsam recherchiert.

Gespannt lauschten die etwa 80 Zuhörer ihrer Erzählung, die den mühsamen und gefährlichen Weg des jungen Mannes hinaus aus der Krisenregion detailreich beschreibt. Eine Flucht über die Türkei und die Balkanroute nach Deutschland, die schließlich in einer Brockhagener Turnhalle endet. Gleichzeitig bildet die Ankunft jedoch auch den Startschuss für ein völlig neues Leben, mit all den Herausforderungen, die man in einem zunächst fremden Land meistern muss. Dazu gehören Behördengänge ebenso wie der Erwerb der Sprache. Laut den Schülerinnen wird der junge Iraker inzwischen geduldet und hat eine Wohnung samt Arbeit gefunden, was ihm dabei helfen dürfte, sich erfolgreich zu integrieren.

Viel Mühe hatten sich die Schüler außerdem bei der Vorführung des Theaterstücks „Verloren“ gegeben, das die Schicksale von drei 15-jährigen Mädchen hervorragend darstellte. Zum einen das der jungen Helga (gespielt von Mia Potthoff), die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges mit Mutter (Marie Schöneborn) und Schwester (Melissa Schneider) vor der Roten Armee über die zugefrorene Ostsee fliehen muss.

Zum anderen ist da noch Jessy (Charlotte Tumat), die die DDR verlassen will, um nicht im gefürchteten Umerziehungslager in Torgau zu landen. Ihre Fluchtgeschichte, die sie über Österreich schließlich in die Bundesrepublik führt, ist ebenso ergreifend wie die vom dritten Mädchen, der Syrerin Tal (Mariella Davidis), die mit ihrer Freundin Nabila (Florin Steinert) über das Mittelmeer nach Europa flieht. Gelungene Darstellungen, die wie die vom Kurs angefertigten Kunstwerke eindrucksvoll zeigen, dass niemand gerne seine Heimat verliert.


Siegel01

Siegel02

Siegel03

Siegel04