140 Zuschauer bringen beim Poetry-Slam im Gymnasium Geld in die Abi-Kasse. Westfalen-Blatt, 04.02.2019.

2019 0204PoetrySlamWBUnterhielten zahlreiche Zuhörer im Gymnasium beim Poetry-Slam: (von links) Miriam Danho, Tristan Mieszczak, Nina Bieber, Jona Löwen, Anita Sadoroschny, Tara Uhlemeyer, Malte Elgeti, Mario Krebs und Luca Prigl. FOTO: Malte Krammenschneider

Um seine Abi-Kasse aufzubessern hat der diesjährige Abiturjahrgang des Steinhagener Gymnasiums am Freitagabend einen Poetry-Slam veranstaltet. Rund 140 Zuhörer kamen dabei in den Genuss von komischen, traurigen und vor allem zum Nachdenken anregenden Texten, mit denen die Schüler bewiesen, welch großes literarisches Talent in ihnen schlummert.

»Ich musste erst einmal googeln, was ein Poetry-Slam eigentlich ist«, gestand Mario Krebs gleich zu Beginn der Veranstaltung, die er gemeinsam mit Anita Sadoroschny moderierte. Es sei für die Schüler eine große Herausforderung, die von ihnen selbstverfassten Texte erstmals vor einem großen Publikum zu präsentieren. Von schlotternden Knien konnte wenig später allerdings keine Rede sein, denn den insgesamt sieben »Slammern« gelang es auf unterschiedliche Weise, ihre Zuhörer zu fesseln.

Malte Elgeti, ein Zehntklässler der erst seit kurzem eigene Texte verfasst, sprach beispielsweise gesellschaftskritisch die Abholzung der Regenwälder an, die für Palmölplantagen und somit unser morgendliches Nutellabrot weichen müssten. Zudem fragt er sich, wieso ein Deutschland-Trikot »Made in China« sein müsse und machte damit Mut, sich für die »Rettung der Menschheit« einzusetzen. Ein erfrischender Vortrag. Deutlich lauter und stimmgewaltiger aber nicht minder unterhaltsam war wenig später Luca Prigl, der einen spektakulären Aufwach-Prozess mit Witz zum besten gab.

Dass die Schüler beim Schreiben der Texte an keine Genre oder inhaltliche Vorgaben gebunden waren, wurde kurz darauf beim Auftritt von Nina Bieber deutlich. Sie präsentierte ihr Werk komplett in englischer Sprache. »Damit fühle ich mich wohler«, sagte Bieber, die ihren gefühlvollen Vortrag sogar mit einem kleinen Gesangselement abrundete. Das Publikum war begeistert, doch diese beeindruckende Vorstellung reichte nicht für den Tagessieg. Nina Bieber musste sich vor der drittplatzierten Tara Uhlemeyer lediglich Jona Löwen geschlagen geben, der von der zufällig ausgewählten Publikums-Jury eine noch höhere Bewertung erhielt.

»Ich habe euch etwas zum Nachdenken mitgebracht«, sagte der 18-Jährige, der anschließend mit Auszügen aus seiner eigenen Lebensgeschichte zu einem gesellschaftskritischen Rundumschlag ausholte. Die Kernbotschaft behielt er sich aber für den Schluss vor. »Jeder Mensch ist komplex. Lernt euch selbst zu lieben, dann fällt das Hassen schwerer«, beschloss der Wortakrobat seinen Vortrag, der mit einer »10« die beste Note des Abends einheimste. Doch auch die anderen Teilnehmer, die alle eine Auszeichnung in Form eines kleinen Mikrofon-Pokals bekamen, konnten hochzufrieden sein, denn die Zuhörer im Foyer des Gymnasiums waren hellauf begeistert.


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