Die Schule steht hinter der Entscheidung: zurück zu G9 im gebundenen Ganztag. Schulleiter Stefan Binder geht mit Arbeitsgruppen aus Lehrern, Eltern und Schülern jetzt in die praktische Umsetzung des Beschlusses der Schulkonferenz. Westfalen-Blatt, 16.01.2019.

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Der Beschluss der Schulkonferenz als letztem, entscheidendem Gremium war eindeutig: Das Steinhagener Gymnasium kehrt zu G9 zurück, bleibt aber im verpflichtenden Ganztag. Doch wie soll das alte Modell unter neuen Bedingungen aussehen? Das entwickelt Schulleiter Stefan Binder jetzt mit Arbeitsgruppen aus Lehrern, Eltern und Schülern.

Das Steinhagener Gymnasium hatte – und das ist für Stefan Binder entscheidender Punkt für den letztlichen Konsens – sehr früh mit einer durchaus kontroversen Diskussion auf den unterschiedlichsten Ebenen der Schule begonnen. Bereits im November 2017, lange bevor G9 wieder Gesetz war, stand der Richtungsbeschluss in Steinhagen fest und war somit auch bei der Anmeldewoche 2018 für den heutigen fünften 114 Schüler starken Jahrgang klar.

Vernommen hat Stefan Binder in der Diskussion aber auch Kritikpunkte. Zum Beispiel: Warum muss der Ganztag auch für die jüngsten Schüler schon diese langen Tage bis 15.40 Uhr beinhalten? »Das ist schon ein dickes Brett für Kinder, wenn sie aus der Grundschule kommen«, sagt er. Und insofern wird über die Möglichkeit einer Reduzierung – per Antrag – für Kinder der fünften Klasse nachgedacht. Eine solche Wahlfreiheit lässt das Stundenkontingent zu, denn in der Erprobungsstufe sind es nicht mehr 30, sondern nur noch 28 Wochenstunden.

»Das heißt, wir haben zwei Stunden mehr im Ganztag. Doch die müssen wir mit gleichbleibendem Lehrer-Zuschlag füllen«, so Binder. Ein Merkmal des Ganztags am SteinGy, laut Schulleiter Erfolgsfaktor des Ganztags, ist eben, dass auch Übermittagbetreuung und Arbeitsstunden von Lehrern und nicht von externen Kräften übernommen werden. »Das ist unsere Aufgabe. Wir kennen die Kinder aus dem Unterricht.«

Dennoch ist das Thema Arbeitsstunden großer Diskussionspunkt: Eigentlich soll im Ganztag kein Kind mehr Hausaufgaben mit nach Hause nehmen. Die Praxis sieht anders aus – nicht nur vor Klassenarbeiten. Denn nicht jedes Kind sei so organisiert, dass es seine Aufgaben in der Schule schaffe, so Binder. Dafür gibt es bereits das Instrumentarium des Lerncoachings, das im neuen G9-Ganztag durchaus noch verbessert werden kann aus Sicht des Schulleiters. Vor allem aber wird eine Entzerrung der Angebote möglich sein. Beispiel: Bislang überschneidet sich mitunter der bilinguale Unterricht mit Förderangeboten. »Das wird anders.«

Die Fachcurricula gibt das Ministerium erst im März heraus. Dass der Unterrichtsstoff mehr wird, daran glaubt Binder nicht: »Wir haben ja nach wie vor G8-Schulen und das Zentralabitur. Da brauchen wir gleiches Niveau.« Aber das Lernen könne vertieft werden. »Eine spürbare Erleichterung wird sein, dass die zweite Fremdsprache und der Wahlpflichtbereich später einsetzen.«

Für Stefan Binder besteht der große Vorteil eines gebundenen Ganztags gegenüber einem offenen vor allem darin, dass eine Schule ihre Profile stärken könne: Ganztag ist nicht nur Betreuung, Ganztag heißt auch, die Persönlichkeit der Schüler herauszubilden. »Man ist ja jeden Tag viel länger zusammen.« Da müsse auch das Miteinander gut sein in einer zunehmend heterogenen Schülerschaft. Der Ganztag erlaube, soziales Miteinander systematisch einzuüben, so Binder. Zudem können AG-Angebote flächen­deckend, sprich: verpflichtend gemacht werden. In den »Studios« läuft ein Kochkurs ebenso wie das Generationenprojekt »Jung trifft Alt« mit der Gemeinde.


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