Rückblick: Schulleiter Josef Scheele- von Alven hat das Steinhagener Gymnasium mit aufgebaut. Zum Ende des Schulhalbjahres verabschiedet er sich in den Ruhestand, Haller Kreisblatt 20.01.2018

hk200118aSein Revier: Josef Scheele- von Alven im ersten Stock des Schulgebäudes, das nicht nur aufgrund seiner modernen Architektur Strahlkraft besitzt. Auch dank des pädagogischen Programms und vieler Initiativen hat sich das Steinhagener Gymnasium von Beginn an einen guten Ruf erarbeitet. FOTO: FRANK JASPER

Als Josef Scheele- von Alven 2001 als Schulleiter nach Steinhagen kam, hatte er bereits mehrere Stationen als Lehrer hinter sich: Referendariat am Ravensberger Gymnasium in Herford, 1980 die erste Anstellung am Gymnasium Brackwede und von 1986 am Helmholtz- Gymnasium, dann 1996 wieder zurück nach Brackwede als Mittelstufenkoordinator und später als stellvertretener Schulleiter. Wenn also jemand die Schulentwicklung der vergangenen Jahrzehnte bewerten kann, dann der überzeugte Pädagoge, der seinen Schülern Deutsch, Geschichte und Informatik beigebracht hat.

Die Schüler

„Das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern ist heute unverkrampfter als früher“, meint Josef Scheele- von Al ven. Den buchstäblichen Klassenkampf gebe es nicht mehr. „Die 68er sind jetzt 50 Jahre vorbei“, holt der scheidende Schulleiter aus. Eine Anti- Establishment- Haltung, wie man sie noch in den 1980er Jahren in den Klassenräumen gespürt habe, gebe es nicht mehr. „Die Schüler heute sind sehr kooperativ und verbindlich und haben ihr Ziel, das Abitur, fest im Blick. Sie suchen ihren Platz im System und wollen später eine Familie, einen guten Beruf und ein festes Einkommen haben“, so Scheele- von Alven. Gleichwohl sollten junge Menschen kritisch bleiben und die Dinge hinterfragen, gibt er ihnen mit auf den Weg.

Die Lehrer

„Als Lehrer sollte man Schüler unbedingt ernst nehmen. Das heißt aber auch im Gegenzug, Verantwortung und Ernsthaftigkeit von Schülerseite einzufordern“, sagt Josef Scheele- von Alven. In den vergangenen Jahren hat er am Steinhagener Gymnasium zahlreiche junge Kollegen ausgebildet. Zehn Referendare sind aktuell am Gymnasium beschäftigt. Einen zu kumpelhaften Umgang zwischen Lehrern und Schülern lehnt Scheele- von Alven ab. Darum bevorzugt er das Sie im Klassenraum. Das sei auch ein Zeichen von gegenseitigem Respekt. Am Ende müsse man als Lehrer Noten geben, da könne eine Schein- Kumpanei nur hinderlich sein. Mit dem aktuellen Kollegium sei die Schule bestens aufgestellt. „Hier arbei- ten so viele Leute, die ihr Herzblut in die Arbeit stecken. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, wird diese Schule weiterhin gut existieren können“, ist er überzeugt.

Die Eltern

Als das Stichwort »Helicoptereltern« fällt, nickt der Schulleiter schmunzelnd. Natürlich hat er mit denen auch seine Erfahrungen gemacht. „Aber auf der anderen Seite engagieren sich die Eltern heute auch immer mehr im schulischen Kontext“, findet er lobende Worte. Ob Schulfest oder Musical – „die arbeiten produktiv mit und das bringt unsere Schule voran.“

Der Schulträger

Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Steinhagen sei immer gut gewesen. Auch wenn für einige Politiker das Gymnasium nur die zweitbeste Schulform sei (... und eine Gesamtschule die beste, Anm. d. Red.), so habe der Schulausschuss doch immer einstimmige Beschlüsse zum Wohle des Gymnasiums gefasst. „Die standen immer hinter uns und haben Geld für das Gymnasium in die Hand genommen“, blickt Scheele- von Alven zurück. Er verweist auf die Gebäudeerweiterungen für den Ganztagsbetrieb und die neue Mensa. „Das ist alles nicht selbstverständlich“, sagt der scheidende Schulleiter mit Blick in die Nachbarkommunen.

hk200118bErster Spatenstich für den Bau der Sporthalle: Josef Scheele- von Alven (Vierter von links) war natürlich mit dabei, als (von links) der damalige Schulamtsleiter Joachim Scholz, Nils Twelmeier, Bürgermeister Klaus Besser, Sportlehrer Matthias Mohrhoff, Stephan Walter (Schulamt), Joachim Oehme sowie Markus Mühlhaus den Startschuss für das Nebengebäudegaben. ARCHIV- FOTO: ANJA HANNEFORTH

Die Anfänge

Klar, über den Aufbau des Gymnasiums hat der 64- Jährige bereits zu unterschiedlichen Anlässen referiert, aber er macht es augenscheinlich immer noch gerne. Weil es eine prägende Zeit für ihn war. An den Freitagnachmittag, als er vor den Containern auf der Cronsbachwiese stand, in denen der Unterricht vor Fertigstellung des Schulgebäudes stattfinden sollte, kann er sich noch sehr genau erinnern. „Das war eine Woche vor Schulstart und ich blickte in einen Kasten, in dem noch die Rückwand fehlte“, erinnert sich Josef Scheele- von Alven schmunzelnd. Pünktlich zum Schulstart war das Provisorium dann aber fertig. Mit vier fest angestellten Lehrern und 90 Schülern ging’s los. Ein Abenteuer sei das gewesen. Der Neuaufbau einer Schule habe große Gestaltungsspielräume ermöglicht. Genau das habe ihn damals an dem Posten in Steinhagen gereizt.

Die Zukunft

Josef Scheele- von Alvens letzter Schultag ist der 31. Januar. Einen Tag später, am 1. Februar, findet in der Eingangshalle ab 17 Uhr eine Verabschiedungsfeier statt. Danach übernimmt Stefan Binder die Leitung der Einrichtung, kommissarische Stellvertreterin wird Katja Wiertz. Und Josef Scheele- von Alven? Der gibt zu, dass er selbst noch nicht genau einschätzen kann, ob ihm der Ruhestand guttun wird. „Ich will mich mehr um mich selbst kümmern“, hat er sich vorgenommen. Sport treiben. Seine Pferdezucht voranbringen. Die Tochter in London besuchen. Und da ist der Bauernhof in der Lüneburger Heide, den er zusammen mit seiner Frau pflegen möchte. Wohnen will er aber weiterhin im Bielefelder Westen. „Ich brauche das Stadtleben“, weiß er.


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