Gymnasium will nicht zurück zu G 9


Dennoch läuft ab heute Unterschriftensammlung für Volksbegehren im Rathaus

Die Rückkehr zu G 9: Am Steinhagener Gymnasium ist sie kein Thema

– weder in Beschlüssen der Gremien noch in der offenen Diskussion in der Elternschaft. G 8 hat sich offenbar in Steinhagen gut etabliert. »Aber auch den Schülern hier würde G 9 gut tun«, sagt Cordula Liehr. Die Steinhagenerin engagiert sich in der Landesinitiative »G 9 jetzt!« für das neunjährige Gymnasium.


wb020217Das Steinhagener Gymnasium hat auch räumlich die Voraussetzungen geschaffen für den G8 - Ganztag. Luftbild: Ulrich Fälker

Seit heute liegen auch im Steinhagener Rathaus die Unterschriftenlisten für das Volksbegehren zur Abschaffung des so genannten Turbo-Abis aus (siehe Extra-Kasten). »Gegen das Steinhagener Gymnasium kann man nichts sagen. Es ist eine Vorzeigeschule. Aber das ist kein Standard in NRW«, sagt Cordula Liehr. Ihre Tochter besucht die zehnte Klasse des Gymnasiums: »Sie kommt gut mit, aber das Tempo ist horrend. Es ist null Zeit, um Stoff zu vertiefen. Die Schüler lernen von Klausur zu Klausur. Wenn Stunden ausfallen und nicht vertreten werden, müssen sich die Schüler den Stoff alleine erarbeiten«, sagt die als Klassenpflegschaftsvorsitzende aktive Mutter. Die Schulzeit entschleunigen, Zeit schaffen für Auseinandersetzung mit dem Lehrstoff und die persönliche Entwicklung der Kinder, das ist Cordula Liehrs Anliegen.


Die Rückkehr zu G 9 ist in ihren Augen kein Problem: »Es geht ja nicht um mehr Stoff, sondern um Zeit für dessen Vertiefung. Deshalb braucht man auch keine neuen Lehrbücher«, sagt sie. G 9 wäre nicht einmal mit höheren Kosten verbunden: »Man käme mit weniger Lehrern aus«, meint sie.
Dafür müsste man aber anbauen, mindestens drei Klassenräume und Nebenräume für einen zusätzlichen Jahrgang, und diese auch bewirtschaften, führt Bürgermeister Klaus Besser Zusatzkosten bei der Rückkehr zu G 9 an. Und auch das spricht aus seiner Sicht dagegen: »Es würde ein ganzer Abi-Jahrgang fehlen. Das hätte auf die Wirtschaft negative Auswirkungen. «


wb020217cSchulleiter Josef Scheele-von Alven ist für G8

Warum gibt es in Steinhagen so gut wie keine Kritik an G 8? Schulleiter Josef Scheele-von Alven führt das auf das Konzept zurück: »Wir haben uns auf G 8 eingestellt mit der Ganztagsschule, neuen Lehrplänen und Schulbüchern und einer Aufgabenkultur, die Möglichkeiten schafft, alle Hausaufgaben in der Schule zu erledigen. In diesem letztgenannten Punkt sind wir auch noch nicht fertig.«


Letztlich gehe es, sagt er, bei G 8 darum, 90 Minuten zusätzlich pro Woche in der Struktur der Schule unterzubringen: »Da kann man nicht den Vormittag durchpowern und Pausen kürzen. Dann sind die Schüler mittags fertig. Wir dagegen haben Pausenzeiten deutlich verlängert, Räume eingerichtet für Aktivitäten und für Rückzugsmöglichkeiten«, so Scheele-von Alven: »Dadurch ist der Tag entschleunigt.« Dafür ist dreimal in der Woche Schule bis 15.40 Uhr.


Wäre die Rückkehr zu G 9 eine Option? »Das müsste man sich genau ansehen. Aber eigentlich brauchen wir das zusätzliche Jahr nicht«, so der Schulleiter.


Aus Sicht der Schulpflegschaft ist G 9 ebenfalls kein offizielles Thema. Aus der Elternschaft wird es nicht an das Gremium herangetragen, wie die stellvertretende Vorsitzende Petra Thölen-Siewert sagt. Sie hat schon die Einführung von G 8 mitgemacht: »Das war damals sehr anstrengend. Aber so, wie es jetzt in Steinhagen läuft, ist es okay: »Mehr lernen die Kinder bei G 9 nicht. Früher war das elfte Schuljahr ein Auffangschuljahr für die Realschüler und die Vorbereitung auf die Oberstufe.« Dass man bei G 8 noch einige Stellschrauben drehen müsste, etwa bei der Berufsorientierung, sei ein anderer Punkt.


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