Mehrheit will die Rolle rückwärts
Nach Diskussionen und Konferenzen steht fest: Das Steinhagener Gymnasium strebt die Rückkehr zu G9 an. Am gebundenen Ganztag will die Schule trotzdem festhalten. Die Umstellung des Bildungsgangs soll mit dem Schuljahr 2019/2010 erfolgen, Haller Kreisblatt 30.11.2017

hk301117Bereiten sich auf eine Rückkehr auf G 9 vor: Schulleiter Josef Scheele-von Alven (rechts) und sein Stellvertreter Stefan Binder haben die Entscheidungsfindung der vergangenen Wochen intensiv begleitet. (© Frank Jasper)


In den vergangenen Wochen und Monaten ist über die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren am Gymnasium ausführlich diskutiert worden. Am Ende haben sich laut Schulleiter Josef Scheele-von Alven Schüler, Lehrer und Eltern mehrheitlich für G9 ausgesprochen. Eine Positionierung in der Frage sei notwendig geworden, weil Eltern, die ihre Kinder möglicherweise an der Schule anmelden möchten, Gewissheit über die künftige Ausrichtung des Gymnasiums haben wollen. Scheele von Alven spricht von einem „Dilemma", denn noch hat die Landesregierung die Rückkehr zum neunjährigen Bildungsgang nicht in einem Gesetz verankert. Bislang liegen erst Eckpunkte vor.
Schülervertretung hat sich die Entscheidung schwer gemacht

Nach der deutlichen Willensbekundung von Schwarz-Gelb, Gymnasien eine Rückkehr zu G9 zu ermöglichen, finden jedoch an den Schulen überall im Land Debatten zum Thema statt. Auch wenn die Mehrheitsverhältnisse in Steinhagen deutlich waren – ganz unumstritten ist die Rückkehr zu G9 nicht.

Immerhin rund zehn Prozent des Kollegiums hätten der Richtungsentscheidung nicht zugestimmt, so Scheele von Alven. In der Schülerschaft sei G8 jedoch am vehementesten verteidigt worden. Auch der Schulleiter selbst habe sich ein Festhalten am Status quo gut vorstellen können, nachdem seine Schule in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen mit dem verkürzten Bildungsgang gemacht habe, erklärte er. Zudem sei die Rolle rückwärts mit einem enormen organisatorischen Aufwand verbunden. „Aber alles ist machbar", gibt sich Josef Scheele-von Alven optimistisch. Da er sich nach den Sommerferien in den Ruhestand verabschiedet, wird ihn die Umstellung ohnehin kaum mehr beschäftigen.

Mehrheitlich hat sich das Steinhagener Gymnasium auch dazu entschlossen, am für alle Schüler verbindlichen Ganztagskonzept festzuhalten, wonach die Schüler in der Regel von 7.50 bis 15.40 Uhr in der Schule bleiben. „Ich war positiv überrascht, wie gut der Ganztag bewertet wurde; er wurde sogar vehement eingefordert", berichtet Josef Scheele-von Alven. Er fügt hinzu: „Die Qualität unserer Schule ist eng verbunden mit dem gebundenen Ganztag. Darum wollen wir ihn erhalten."

Ursprünglich eingeführt wurde er, um das durch G8 um ein Jahr verkürzte Lernpensum einzuhalten. Er bietet Zeit für Lernstunden, Arbeitsgemeinschaften und Projekte. Die Schüler bekommen im Gegenzug keine Hausaufgaben gestellt. „Künftig ergeben sich mit G9 und Ganztag ganz neue Freiräume", stellt der stellvertretende Schulleiter Stefan Binder fest.

Binder und Scheele-von Alven betonen jedoch auch, dass die Rückkehr von G8 zu G9 für ihre Schule weit mehr bedeutet als das Ändern einer Ziffer auf dem Papier. „Das hat Auswirkungen auf Abläufe, Lehrpläne, Prüfungsordnungen und Stundentafeln", skizziert der Schulleiter die Problematik.

Kompliziert wird es zudem für den Jahrgang, der im kommenden Sommer eingeschult wird. Denn die Wiedereinführung von G9 ist für das Schuljahr 2019/20 vorgesehen; die zum Schuljahr 2018/19 eingeschulten Kinder sollen dann aber rückwirkend ebenfalls in den neuen alten Bildungsgang übergehen. Am Steinhagener Gymnasium gibt man sich optimistisch, auch dies zu meistern.

Und so geht es weiter: Anfang kommenden Jahres ist mit einem Kabinettsbeschluss zum G-9-Gesetz zu rechnen. Vor den Sommerferien soll er verabschiedet werden. „Erst dann, also zu Beginn des Schuljahres 2018/19, können wir als Schule offiziell einen Beschluss fassen", so Stefan Binder.
»Am Ende ist die Qualität der Schule entscheidend«

Welche Rolle die Gemeinde Steinhagen als Schulträger bei der Entscheidung spielt, steht letztlich auch erst in dem noch nicht vorhandenen Gesetz. Laut Bürgermeister Klaus Besser könne man aber davon ausgehen, dass sich die Kommune dem Willen des Gymnasiums anschließen werde.

Beim Informationsabend für die Grundschuleltern am Montagabend habe die Positionierung des Steinhagener Gymnasiums berechtigterweise viele Eltern interessiert, berichtet Josef Scheele-von Alven. Ihm habe der Abend aber auch gezeigt: „Für die meisten ist nicht die Frage G8 oder G9 entscheidend, sondern die Qualität der Schule."


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