Werke Steinhagener Gymnasiasten sind im Rathaus ausgestellt. Westfalen-Blatt, 16.02.2019.

2019 0216AnneFrankAusstellungWBJannah hat Anne in ihrem Tagebuch dargestellt. FOTO: Annemarie Bluhm-Weinhold.

Die Zeit und der Terror des Nazi-Regimes – in der Steinhagener Öffentlichkeit ist das in diesen Wochen nach Erscheinen des Buches »Steinhagen im Nationalsozialismus« und nach dem Vortragsabend mit dem Autor Dr. Jürgen Büschenfeld Thema. Und auch 20 Steinhagener Gymnasiasten des Wahlpflicht II-Kurses »Bühne frei« haben sich damit beschäftigt: Die Neuntklässler haben das »Tagebuch der Anne Frank« nicht nur gelesen und mit Lehrerin Beate Sehlhoff im Unterricht intensiv inhaltlich behandelt, sondern die Geschichte auch künstlerisch umgesetzt: in einem Schauspiel und in bildnerischen Arbeiten. Diese sind noch bis Ende Februar in den Vitrinen im Ratssaalfoyer zu sehen.

Für die Neuntklässler war die Beschäftigung mit dem Schicksal des jüdischen Mädchens, das mit ihrer Familie zwei Jahre in einem versteckten Hinterhaus in Amsterdam gelebt hat, kurz vor Kriegsende aber entdeckt und ermordet wurde, ein beklemmendes Erlebnis. Mitschülerin Dila hatte den Stoff vorgeschlagen. »Das hat mich einfach interessiert«, sagt sie. Ihre Mitschüler offenbar auch: »Eine faszinierende Geschichte, ideal für ein Schauspiel, obwohl das Stück nicht freundlich ist«, sagt Caroline. Die Stimmung im Kurs sei manches Mal gedrückt gewesen: »Manchmal ist es so traurig, dass wir gelacht haben beim Proben, weil wir nicht wussten, wie wir mit der Situation umgehen sollen«, sagt Tessa. Die Aufführung ihrer Szenen kam beim Publikum, Eltern und Freunde, gut an – der Applaus fiel leise und verhalten aus: Die Stimmung war also rübergekommen.

In einer bisher einzigartigen Kooperation mit der Fachschaft Kunst und Lehrerin Kerstin Dammann entstanden darüber hinaus Kunstwerke zu einzelnen Aspekten. Aleksej beispielsweise hat die Entmenschlichung der Juden dargestellt: »Juden hatten für die Nazis keine Individualität, keinen Wert. Sie haben ihnen die Haare, die Kleidung, die Namen genommen. Es waren nur noch Nummern.«. Und Albulena hat ihr Kunstwerk »Die Geborgenheit des Tagebuchs« zweigeteilt in eine schwarze Seite, in der sie den Judenstern und Schimpfworte der Nazis für die Juden dargestellt hat und eine weiße Seite – dichtbeschrieben, eine Figur, Anne, inmitten von Seiten.

Haben sich die Jugendlichen Gedanken gemacht, wie sie sich als Anne gefühlt hätten? »Ich hätte das nicht geschafft, in dieser Situation weiterzukämpfen«, meint Tessa. »Sich das vorzustellen ist schwer, denn es ist so unendlich weit weg. Anne ist ein unfassbar starkes Mädchen«, sagt Albulena.


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